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日志


7. July 2009

  

IT’S A

BEAUTIFUL

DAY!

 

Heute, an diesem schönen 7.7.2009, ist Vollmond und ich bin 59 Jahre alt.  Noch ein Jahr, dann beginnen die Sixties.  Die zweiten meines Lebens  -  und hoffentlich so sinnvoll, bewegt und erfüllt wie die ersten.

Die alte Hippie-Weisheit: „This is the first day of the rest of your life.“,  ist nach wie vor zeitlos gültig. Und zwar an allen Tagen, nicht nur an Geburtstagen.

Ich wünsche allen, die es verdienen, heute genau diesen schönen, besonderen Tag!

Ihr, euer, aber längst nicht jedermanns

N.A. Eichler

 

 

Ein unvergänglicher Klassiker und der ultimative Plattentip des Tages:

„IT’S A BEAUTIFUL DAY“

von der gleichnamigen Band.

Dig it – and enjoy it!

Und schauen Sie sich dazu auch

das Cover-Portfolio am Fuß des Blogs an

(und unter „Fotos“ / Kopfzeile).

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Ground Neverland


Michael has just left the building…

 

Amerika ist, nach September Eleven, in diesem Jahrzehnt nun schon zum zweiten Mal „tief erschüttert“.  Madonna “hat die ganze Nacht geweint”, während CNN bis zur Bestätigung ununterbrochen darüber berichtete, daß es “noch nicht bestätigt“ sei – um dann, danach und fortan als „offiziell bestätigt“ darüber zu berichten, worüber seine Familie und viele um sein Haus versammelten, spontan herbeigeeilten Fans  schon vorher den ganzen Tag „fassungslos trauerten“: Michael Jackson ist tot, verfrüht gestorben wie vor ihm schon Falco, Joe Dassin und andere Stars und Sänger der Pop-Geschichte.

Und schon wogt eine Tsunami von „Erschütterung“, „Entsetzen“ und „Trauer“ um den ganzen Planeten, und alle, die sich berufen fühlen oder gern dafür gehalten, als solche mal wieder genannt werden wollen, teilen über die „Ground-Neverland“-Mikrophone aller dankbar-begierigen Medien auf allen Kanälen ihre bewegenden Einsichten und Erkenntnisse zum Tod von Michael Jackson mit. „Michael Jackson hat Zeichen gesetzt“ und „Riesen-Spuren hinterlassen“, „einen Nachfolger wird es niemals geben“ und „seine Musik ist unvergesslich“, natürlich, lauten die erhellenden Kommentare von Leuten, deren Namen man auch irgendwo schon mal gehört hat und die nichts Eiligeres zu tun haben, als ihn endlich mal im Zusammenhang mit Michael Jackson erwähnen zu lassen. Die Gelegenheit dazu ist hypergeeignet und –günstig angesichts der Mediengeilheit, ein kleines Ereignis nun für viele Stunden, Tage und Wochen groß thematisieren zu wollen und dafür doch  nichts anderes als eine Ablebensmeldung zur Verfügung zu haben.

Ein farbiger amerikanischer Pop-Fan älterer Generation, der schon beim Tod von James Brown „im Namen der ‚Black Community‘ völlig erschüttert war“, ist nun erst recht „völlig verzweifelt“ – sieht er doch in Michael Jackson einen messianischen Pionier, der „schon lange vor Obama“ für die Emanzipation des farbigen Teils der amerikanischen Bevölkerung richtungsweisend gewesen sei. Nun, zumindest war er der erste farbige Künstler, der auf MTV gesendet wurde. An Umsatzzahlen kommt ein kommerzieller Branchen-Sender auf Dauer auch nicht vorbei. Immerhin.

Bei soviel dauerhafter Popularität erliegen sogar Politiker der Versuchung, mal in der Autogrammstunden-Schlange eines Pop-Stars gesichtet zu werden: „Ich fand das heute Morgen eine traurige Nachricht.“, weiß Gel-Look-Guttenberg mitzuteilen, der „selbst schon einmal auf einem Jackson-Konzert“ war, und „fasziniert von seinem Auftritt und der Kraft der Musik“.  „Eine Legende, aber auch eine tragische Figur“, erkennt kristallklar Berlins Wowereit.  „Ein Leben zwischen Traum und Albtraum“ bescheinigt n-tv (26.6.) dem Popstar, und für die Bild-Zeitung (27.6.) war er ohnehin „einer, der nie von dieser Welt war“.  „Er war eigentlich ein sehr lustiges Kaschperl“, weiß sein Biograph Christian Marks zu relativieren.  Fest steht jedenfalls: „Der letzte Vorhang ist gefallen für Michael Jackson.“ (MainFM, 26.6.),  „Er wurde 50 Jahre alt und hinterläßt drei Kinder.“ (Radio FFH, 26.6.),  und seine Ex-Frau Liza Maria Presley behauptet, daß er von diesem seinem Schicksal schon vorher gewußt habe.

Ob er dagegen  jetzt wirklich „auf dem Olymp“ ist, wie ein Frank Farian aus Deutschland es ihm nachreden möchte, bleibt eher zweifelhaft    plausibler ist da schon Uri Gellers Vermutung, daß „seine Energie jetzt irgendwo da draußen, im Universum“ sei.  Allein deshalb kann man die Entscheidung nur als konsequent und richtig bezeichnen, ein Kondolenzbuch nicht vor den Toren seiner „Neverland“-Ranch auszulegen, sondern in Madame Tussauds Wachsfiguren-Kabinett.

Als ich von meiner Tochter (Jg. 1976) in der zweiten Hälfte der Achtziger hörte, sie sei ein erklärter Michael Jackson-Fan, versuchte ich das Phänomen durch den Kauf der beiden CDs „Bad“ und „Thriller“ nachzuvollziehen    mit Erfolg.  (Ob das Geschenk meiner ersten Sammlung von Original-Beatles-Singles wie „It Won’t Be Long“, „Love Me Do“, „Please, Please Me“ und „Please Mister Postman“ bei ihr auch so erfolgreich war, habe ich nie erfahren.)  „Beat It“ und „Billie Jean“ hatten die volle Power, auf die ich in dem Alter auch abgefahren wäre, und „Thriller“, trotz allem spirituell-ethischen Unbehagen vor diesem düsteren, okkult-realen Coming-Out des armen, nicht zu rettenden Zombies Michael, ebenso    musikalisch zumindest.  Trotzdem schafften es von den zeitgenössischen Pop-Musikern nur Sly & Robbie mit „Boops“ aus ihrer LP „Rhythm Killers“ von 1987, mich (in der damals angesagten In-Disco „Plastik“ in Frankfurt) vom Hocker zur Tanzfläche zu bewegen, um mal wieder abzutanzen.

Auf andere meiner Generation aber hat Michael Jackson doch wesentlich mehr Einfluß gehabt und tiefere Spuren in ihrem Persönlichkeitsprofil hinterlassen, insbesondere was seine Gestik und Körpersprache betrifft ( so mancher sieht sich insgeheim vielleicht sogar auf seinem Schoß).  Unvergessen werden da vor allem sein Griff in den eigenen Schritt bleiben, und sein oft kopierter, aber selten erreichter „Moon-Walk“.  Der „RTL-aktuell“-Nachrichtensprecher Peter „the Clapper“ Kloepfel zum Beispiel imitiert sein Vorbild Jackson vor laufenden „RTL aktuell“-Kameras seit Jahren unermüdlich und mit bewundernswertem Eifer  -   erst recht seit auch er, wie schon sein Idol vor ihm, vom Burda-Verlag einen „Bambi“ bekommen hat.  Allerdings versucht der frischgebackene Bambi-Ritter Kloepfel immer wieder, Michael Jacksons Griff in den Schritt durch eine Fingerdreiecks-Geste zu ersetzen (siehe Fotostrecke zum Thema am Fuß des Blogs und unter „Fotos“/Kopfzeile), wobei er sich wohl noch nicht ganz entschließen konnte, ob der Geste die bloße Bedeutung eines banalen „Mösen“-Dreiecks zukommen, oder ob sie eine „Herzchen“-Form darstellen soll.  Beides kommt bei ihm immer wieder in munterem Wechsel vor (z.B. am 14. und 16.1. 2008).  Bei seinen Ganzkörper-Versuchen vor der Kamera allerdings , den Moon-Walk halbwegs überzeugend hinzukriegen, scheitert er regelmäßig kläglich, und es bleibt, wohl aus Angst vor drohenden Kniesehnenzerrungen mit nachfolgend lebenslänglicher Steifbeinigkeit, bei kümmerlich aufgestellten Fersen (wie z.B. am 18.9.2007 – siehe Fotostrecke), was ihm in der Branche den Spitznamen „Hacken-Peter“ eingetragen hat.  Ob er tatsächlich meint, so in die „Riesen-Spuren“, die sein Idol angeblich hinterlassen hat, treten zu können ?

Sogar der Leiter der Mannheimer Pop-Akademie, Prof.  Udo Dahmen, der Michael Jackson anläßlich seines jetzigen Todes bescheinigte, „Zeichen gesetzt“ zu haben, die „den Pop revolutioniert haben“, konnte sich bereits im Wintersemester 2008/09 über einen Besuch von Hacken-Peter in seinem international angesehenen Fach-Institut freuen (www.popakademie.de/index.php?id=1282).  Ob Peterchens „Moon(walk)-Fahrt“ nach Mannheim vielleicht nur die erste Kontaktaufnahme war, um ein Popstar-Studium (Fach: Gesang, Gestik und Verrenkung) zu beginnen ?  Altersbeschränkt sind weder Torheiten noch die Studienangebote der Akademie. 

Aber nicht nur über solch ehrliche Bewunderer und Verehrer konnte sich Michael Jackson zu seinen Lebzeiten freuen, wie Zeitzeugen zu berichten wissen.  “Er war von Scharlatanen umgeben.”, sagt (laut n-tv) „ein ehemaliger Vertrauter“ - und meint damit vielleicht die, die nach ihm kamen.

Dabei war Michael Jackson wohl selbst der größte, wenn auch der begabteste unter ihnen: Seine beindruckend perfekte Performance, mit an Besessenheit grenzender Disziplin und verbissener Arbeit, grenzenlosem Fleiß einstudiert, choreografiert und vorgeführt, verblendete alle und täuscht bis heute darüber hinweg, was für ein dünnbrüstiger und flachstimmiger Sänger er war, ohne jede wirkliche vokale Substanz. Eine Handvoll magisch eingängiger Superhits lassen ihn bei oberflächlicher Betrachtung allzu  leicht in einem halluzinativen Glanz erscheinen, der aber umso schneller verblaßt, je mehr man mal genauer hinschaut   und mit nüchternen Ohren genauer hinhört.  Ein Gesang, der durch sein gesamtes Repertoire aus den immer gleichen vier, fünf seichten Tönen ohne jede Fülle und Tiefe besteht, mit dem ihm eigenen Timbre Entenhausener Provenienz und lediglich ergänzt durch ein stereotyp wiederholtes, Schluckauf-ähnliches Glucksen, steht da in merkwürdigem Widerspruch zum Grad der irrationalen Verehrung, die ihm von seinen Fans angetragen und entgegengebracht wurde und jetzt, wohl mehr denn je, nachgetragen und mit ihm verbunden wird.

Und so steht zu befürchten, daß in drei, fünf, zehn Jahren vielleicht auch sein „Geist“, ganz in der Tradition des vorgestrigen Elvis-„King“-Kults, alle paar Monate wieder einmal, entlang der zum Idiom gewordenen Zeugen-Behauptung „Elvis has just left the buiding“, irgendwo „gesichtet“ wurde.

Wen wundert es da, daß sogar das Repräsentantenhaus in Washington sich als „bestürzt“  zu Wort meldet und eine „Gedenkminute“ einlegt, und Obama selbst Jackson diplomatisch als „Musik-Ikone“ bezeichnet und „seine Tragik bedauert“.  Michael Jackson allerdings als seinen „Vorläufer“ in Sachen Emanzipation der „Black Community“ zu sehen, wie es der ältere James Brown-Fan (s.o.) getan hatte, fällt ihm hingegen weniger ein. Kein Wunder: War er doch selbst, wie auch ich, eher ein Fan von Sly & Robbie und ihrer HipHop-Platte „Rhythm Killers“. Und diese Platte hat ihm schließlich zwanzig Jahre danach, im Jahr 2008/2009, sogar noch dazu verholfen,  zum ersten farbigen Präsidenten Amerikas gewählt zu werden.

Denn der erste Titel der B-Seite dieser LP lautet demonstrativ: „Yes We Can Can“. Und dieses HipHop-Manifest der schwarzen Trotzhaltung gegen verschleierte und offene Diskriminierung, "to build a better world" (Song-Text), wurde von Obama 2008 einfach zum Claim und Slogan seiner Präsidentschaftskampagne erhoben – mit dem bekannten, zu amerikanischer Geschichte gewordenen Erfolg.

Was Michael Jackson angeht, so kann man das Thema mit den Worten der wie immer geistreichsten aller Fernseh-Nachrichtenredaktionen, der des ZDF abschließen, die (am 26.6.) in der ihr eigenen analytischen Brillianz und erhellenden Über-Schau des Sachverhalts befand:  „Soviel ist klar: Seine Musik wird weiterleben.“

Kongenial aussagefähig und einfallsreich, neben einem dämlich-pubertären Schüler-Aufsatz des Genres "Mein schönstes Erlebnis mit Michael in Normalistan"(*), ist SPIEGEL online mit der Abbildung seiner bisher veröffentlichten CDs.

So blieb es ZEIT online vorbehalten, ihm den substantiellen und quintessentiellen Abschied in sein Kondolenzbuch zu schreiben: „Seinen Dämonen konnte er nicht davonlaufen.“

Und jetzt ? Was kommt danach ?

Auch darauf wußte ein Nachrichtensprecher (von N24, am 26.6., 21.07 Uhr) nach einer siebenminütigen Berichtstrecke über den Jackson-Tod eine überzeugende Antwort: „Nächstes Top-Thema jetzt hier bei N24: Wie kommt das Loch in die Nudel ?  Bis gleich – bleiben Sie dran.“

 

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(*) Am Tag nach Veröffentlichung dieses Blog-Eintrags war der Beitrag "Michael Jacksons Besuche in Normalistan" (URPS!) von SPIEGEL online verschwunden, und die Redaktion überschlägt sich seither mit diversen Beiträgen "anderer Art" zum Thema.

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Nicht vergessen: Wenn Sie in diesen "Ko(s)mischen Zeiten"

den Durch- und Überblick behalten möchten -  immer mal wieder in meine Text-Oper

"NEUES VOM RAUMSCHIFF ERDE" reinhören - oder reinlesen:

http://is.gd/1gMwp

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