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KO(S)MISCHE ZEITEN 12
NACH VALENTINSTAG UND ASCHERMITTWOCH: MURUROA, MON ATOLL!
„Du brauchst bloß in eine Zeitung hineinzusehen. Sie ist von einer unermeßlichen Undurchsichtigkeit erfüllt. Da ist die Rede von so vielen Dingen, daß es das Denkvermögen eines Leibniz überschritte. Aber man merkt es nicht einmal; man ist anders geworden. Es steht nicht mehr ein ganzer Mensch einer ganzen Welt gegenüber, sondern ein menschliches Etwas bewegt sich in einer allgemeinen Nährflüssigkeit.“ (Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften)
Am 28. Februar jährt es sich in diesem Jahr 2009 zum 13.Mal. Und zum dreizehnten Mal erinnert sich auch in diesem Jahr wieder mal keiner mehr daran - aller Aufregung und Aufmerksamkeit zum Trotz, die die Ereignisse unserer jüngsten Vergangenheit weltweit begleiteten. Längst ist das Bewußtsein jedes durchschnittlichen Zeitgenossen chancenlos überfordert mit der Aufgabe, Schritt zu halten mit den aktuellen Zeitereignissen des zeitlos-historischen Szenarios des Weltgeschehens – umso mehr und vollständiger, als der eigene Bewußtseinshorizont, im Kielwasser der Wirtschafts-„Globalisierung“, gefälligst planetarisch erweitert zu werden hat, mit Über- und Durchblick in jeder Hinsicht, auf allen Kontinenten, auf allen Feldern, in allen Themenbereichen und Tiefen; und das möglichst nicht als Zufallsquilt einzelner Splitter und Fragmente, sondern noch logisch vernetzt, also komplex, in umfassender Über-Sicht. Noch am Abend des 28. Februar 1996, an dem um 12:30:03 Ortszeit Frankreich die sechste und letzte Atombombe im Zentrum des pazifischen Fangataufa-Atolls seiner polynesischen Überseegebiete zündete (weit genug weg von Frankreich, um die Betroffenheit und Empörung anderen Ländern und ihren Regierungen zu überlassen), begann ich das sechste Ölbild meines Bilderzyklus „LA FRANCE RADIANTE“, der die Atomversuche von Anfang an kunstdokumentarisch begleitet und in Gemälden und Kohlezeichnungen festgehalten hat. Um die mit dem lautstarkem Pathos gerechter Empörung vorgetragenen Proteste der Regierung des sich am betroffensten und empörtesten gebenden Landes Australien in dauerhaft wirkungsvolle Medien-Kommunikation, deren Impakt zu einem unübersehbaren, zeitlosen Bewußtseinsappell zu transformieren, bot ich der australischen Regierung ein ebenso neuartiges wie spektakuläres Kunstprojekt an: Ich werde jeden Atomversuch mit einem Ölbild und begleitenden Kohlezeichnungen dokumentieren. Diese werden, etwa in der Lobby des Opernhauses von Sydney, dauerhaft ausgestellt und von Vorträgen begleitet, solange die Versuche andauern. So würde, im Laufe der auf mehrere Monate angelegten Versuche, die zeitgleiche Dokumentation des Frevels gegen das menschliche Leben und seine planetarischen Lebensgrundlagen ebenso zu einem bleibend „anschaulichen“ Manifest gemacht und lebendig plakatiert wie die damit verbundene zeitlos-künstlerische Abmahnung dieses irrwitzig-fehlgeleiteten, vernunftlosen Zivilisationsverständnisses, das den zeitgenössischen politischen Fehlhaltungen, ihren orientierungslos-fehlentwickelten kulturellen Weltbetrachtungskonzepten weltweit zugrunde liegt. Daß die Diplomatiehülsen der im Vorfeld der Atomversuche vor laufenden Kameras in den internationalen Nachrichtensendern vorgetragenen Proteste (ebenso wie die nachfolgenden, pünktlich zu jedem einzelnen Atomtest) allerdings eher als administrativ-formale Pflichterfüllung den eigenen Wählern gegenüber denn als inhaltlich ernstgemeintes Engagement zu verstehen waren, begriff ich erst am 5. Dezember 1995, als mir der australische Botschafter in der Bundesrepublik, Max Hughes, höflich und wenig bewegt in einem offiziellen Schreiben mitteilte, daß von Seiten der australischen Regierung kein Interesse an meinem Vorhaben bestehe, ich mich aber, wenn mir das wichtig sei, an Greenpeace Australien oder einige Kunstgalerien in Sydney wenden könne, mit deren Kooperation mein Projekt vielleicht zu verwirklichen sei (deren Anschriften fügte er freundlich hinzu). Da hatten bereits (beginnend am 5. September auf Mururoa) drei Atomversuche stattgefunden, der vierte (am 10. Dezember) stand unmittelbar bevor, und an eine realistische Perspektive auf Verwirklichung des Vorhabens war auf dieser Grundlage nicht mehr zu denken. Daß das trotzdem längst verwirklichte Kunstprojekt „LA FRANCE RADIANTE“ bis heute (und an diesem 28. Februar 2009 zu seinem 13. Jahrestag) immer noch nicht von einer breiteren Öffentlichkeit bei Licht betrachtet werden konnte, liegt an den ablehnenden Haltungen von Kunstgalerien und Medien ebenso wie von Kunstbuchverlegern und Kulturdezernenten (*). Und so kommt, zumindest zur Zeit, wenigstens mein beachtlich großes Blog-Publikum als erstes zu dem Privileg, die Bilder und ihr begleitendes Manifest schon mal eingehend und nachdenklich zur Kenntnis nehmen und reflektieren zu können - mit hoffentlich dauerhafter Wirkung auf ihr Weltbild und der Chance, ihre persönliche Grundhaltung zu einem sich in den offenen, administrativ etablierten und praktizierten „ganz normalen“ Irrsinn entwickelnden „politisch-wirtschaftlichen Planeten“ ein wenig zu justieren. Zur Einstimmung auf die Bilder des Projektzyklus, die wie üblich am Fuß des Blogs (und unter „Fotos“, s. Kopfleiste) zu besichtigen sind, hier der Text des sie begleitenden Manifests. Mit dem Titel:
LA FRANCE RADIANTE
Ein Hirnriß geht um auf der Erde - der Hirnriß vom beliebigen Umgang mit unserem Planeten, seiner Natur, seiner Beschaffenheit und Befindlichkeit.
"Business as usual" ist das Paradigma, wenn alle Paradigmen der Vernunft, des Verständnisses, der Über-Sicht auf die Dinge, auf das eigene Handeln und seine Folgen im Kontext des menschlichen Lebens auf dieser Erde und des Lebens der Erde unter unseren Füßen abhanden gekommen sind. Und "usual" ist gewöhnlich alles "business", das einer (sich aus-) zu denken imstande ist, der dafür gewählt und bezahlt ist.
In seinen Wahlreden hat der Präsidentschaftskandidat Chirac das "strahlende Frankreich", "la France radiante" der gaullistischen Ära beschworen, dessen Wiederbelebung angekündigt - und damit Millionen frustrierte und krisenverdrossene Franzosen dazu gebracht, ihre Chiracverdrossenheit zu überwinden und ihr Stimmkreuz neben sein Lichtversprechen zu setzen.
Was aber Chirac darunter verstand und versteht, wurde erst kurz nach seiner Wahl richtig deutlich: die nukleare Strahlkraft von Atomversuchen inmitten einer der letzten paradiesischen Regionen dieses Planeten, die diese Bezeichnung, jenseits aller Reiseprospektsprache, noch wirklich verdienen.
Nein, Herr Chirac, non, Monsieur Glucksmann: Polynesien ist nicht bloß eine der schlicht "aus Wasser bestehenden Wüsten", in denen "man solche Versuche nun mal zu machen pflegt". Polynesien ist eines der letzten (und eines der schönsten) natürlichen "Wunder" unserer gemeinsamen Erde, und wenn schon seine Optik zunächst keinen weiteren Schaden genommen zu haben scheint, so ist es doch jetzt kaum noch dafür geeignet, bei einem persönlichen Besuch angemessen gewürdigt zu werden, erhebt auf lange Zeit niemanden mehr über die profane Sicht eines nur ökonomisch und technisch verwalteten Planeten, dient niemandem mehr als zeitloses Monument der Schönheit der Schöpfung, die in den pervertierten Stahl-Glas-Paradiesen unserer industriellen Lebenswelten so schnell vergessen und so leichtfertig mißachtet werden.
Ist und war eines der letzten und schönsten natürlichen Wunder trotz der nuklearen Versuche der jüngeren Vergangenheit.
Und wird es wohl nach den erneuten, "Versuchen" genannten Atombombenzündungen kaum noch sein und bleiben können.
Ob diese "Versuche" politisch und militärtechnisch sinnvoll waren und sind, ist das Thema einer anderen Diskussion.
Daß sie - an diesem Ort und zu dieser Zeit - ein zivilisatorisches und ökologisches Desaster sind, das seine künstlerisch-ästhetische, nachhaltig-demonstrative Würdigung und ein zeitlos-philosophisches Mahnmal verdient, steht allerdings außer Frage, auch wenn es bisher noch keinem anderen Künstler aufgefallen zu sein scheint, oder ihm schlicht die künstlerischen Perspektiven und Mittel dazu abgehen.
"La France radiante" hat in der Vergangenheit, und nicht nur im traditionellen Selbstverständnis Frankreichs, einen ganz anderen Klang, hat ein ganz anderes Licht in den Lärm, in die Dunkelheit der menschlichen Kulturen dieses Planeten auf ihrem Weg von der Barbarei zur Zivilisation eingeführt - einen Klang der Vernunft, der Aufklärung, ein Licht der Humanisierung und Kultivierung im besten Sinn dieser Begriffe.
"La France Radiante" des Präsidenten Chirac ist die technokratische Kehrseite dieses traditionellen Kulturanspruchs: Der Formalismus der Macht, der sich über die Inhalte und Werte keine Gedanken mehr machen zu müssen, von Verantwortung, über das Funktionieren des eigenen Staatsapparats hinaus, befreit zu sein meint.
"La France radiante" war in der Vergangenheit das Licht des souveränen Geistes, das diesem Planeten seine bis heute besten Verfassungen, die französische, die amerikanische und die deutsche, geschenkt hat.
"La France Radiante" des Herrn Chirac dagegen ist das strahlende Weiß der gefährlichen Gischt eines atomar aufgewühlten Elements, das mehr zersetzt als "nur" ein paar hundert Quadratkilometer "Wasserwüste": Nämlich den letzten Rest von Verantwortlichkeit und Vernunft, die letzten Hemmschwellen des Bewußtseins im Umgang mit den natürlichen Bedingungen und Gegebenheiten auf diesem Planeten, der auf absehbare Zeit die einzige Heimat und Lebenswelt der Menschheit in einem sonst von buchstäblich "wüsten" Planeten und Himmelskörpern erfüllten Universum ist.
"La France radiante" der Vergangenheit wurden Hymnen gesungen und Denkmäler gesetzt, die bis heute die Kulturen aller zivilisierten Länder dieses Planeten bereichern.
"La France Radiante" des Herrn Chirac hat nun ebenfalls seine adäquate Hymne, sein gemaltes Denkmal erhalten: Den Bilderzyklus "LA FRANCE RADIANTE" aus meiner Naturkunst-Serie "TREESCAPES".
N.A. EICHLER (November 1995)
* * *
(*) Zur Kenntnis genommen und auf ihre Art „gewürdigt“ wurde dieses innovative Kunstprojekt lediglich, wie üblich und seit Jahrzehnten praktiziert, von den Parasiten der Okkult(a)depp(t)enmafia und ihren weltlichen Handlangern und Mittätern, in diesem Fall von dem amerikanischen Künstler Robert Longo, der sich beeilte, ganz nach dem Konzept meiner „LA FRANCE RADIANTE“-Kohlezeichnungen schnell ein dickes Paket mit Kohlezeichnungen nach beliebigen Zeitungsfotos anzufertigen und zu veröffentlichen - deren Inhalt, wie immer bei solchen Plagiaten meiner Arbeiten, zwar belanglose Alltags-Pop-Art bleibt, aber gerade dadurch die diesen Diebstählen immer wieder zugrunde liegende Absicht der Konzeptvernichtungs-Banalisierung meiner innovativen Arbeiten und Konzepte, ihrer Aussagen und Inhalte, dieses Mal meiner Dokumentationskunst-Kohlezeichnungen der französischen Atomversuche, herbeiführt; und durch diesen banalisierten Diebstahl und die Vorveröffentlichung des inhaltsleer und hirnlos Kopierten obendrein die Urheberschaft betrügerisch für sich besetzt. Nur der tatsächliche Schöpfer und Urheber der originären Leistungen - und mit ihm seine viel wichtigeren Anliegen - bleiben so mal wieder unterschlagen, verschwiegen, unterdrückt und verhindert, wie seit Jahrzehnten, auf jeder Ebene und in jeder Hinsicht. Mitsamt der in seiner Kunst präsenten und sie verkörpernden Botschaften und Wirkungen, um deren Vernichtung und Verhinderung, mich also mundtot zu machen und zu halten, es den Verbrechern ja einzig und im eigentlichen immer nur ging und geht. Auch jetzt, hier und heute, in einem nunmehr jahrzehntelangen, pausenlosen Verbrechens-Kontinuum, und auf unabsehbare Zeit sicher auch morgen noch - bis zu ihrem blamablen Untergang.
Verschiedene «LA FRANCE RADIANTE »-Kunstmappen und -Bücher mit Laserdrucken aller 17 Bilder
sind bei mir erhältlich. Spezifikationen und Preise auf Anfrage (eichlerart(a)aol.de).
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