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日志


KO(S)MISCHE ZEITEN 2

 

 

SECOND LIFE

 

IM "SECOND LIFE" DER HALLUZINIERTEN SPATZENHIRN-EGOS IST ALLES ANDERS. DER ZEITLOSE SPIEßER, BLIND UND SPIRITUELL UNTERENTWICKELT WIE EINE RAUPE VOR IHRER METAMORPHOSE, KANN SEINE DIESSEITS-"WEISHEIT" DER BELANGLOSEN WELTSICHTEN UND BANALEN ERKENNTNIßE HINÜBERRETTEN INS "SECOND LIFE" DES PARALLELEN JENSEITS  -  UM SIE DANN ALS "HÖHERE ERKENNTNIS" UND "HÖHERE WELTSICHT" DER "JENSEITS"-RAUPE ZURÜCKZUSPIEGELN, ZUR "HÖHEREN" LEGITIMATION SEINER MINDERBEMITTELTEN, NIE GESCHLÜPFTEN EXISTENZ UND DASEINSFORM. DAS GEÖFFNETE, MILCHIG-TRÜBE ZYKLOPENAUGE DES PARALLELEBENEN-NEANDERTALERS GLAUBT SICH IM "HÖHEREN" ANGEKOMMEN UND IST DOCH BLOß AUSGEBÜXT: INS "ALTER EGO" DER STAMMTISCH-TRÄUME VON EIGENER GRÖßE, MACHT, HERRSCHAFT UND HERRLICHKEIT. VON HÖHERER EINSICHT, VERSTÄNDIGKEIT, GAR WEISHEIT UND GEIST ABER KEINE SPUR. NUR DIE GÄHNENDE LEERE EINES FUNKTIONSREDUZIERTEN GEHIRNS, DAS SICH DIE WELT ALS HOLZSCHNITT-SCHABLONE, IDIOMETAPHER, SCHATTEN- UND HÖHLENWAND-REPRÄSENTATION DER UNVERSTANDENEN PARALLEL-REALITÄT DES "WIRKLICHEN" AUSMALT  -  UND DAS, AUSWEGLOS, FÜR EIN PAAR JAHRHUNDERTE ODER SO, ALSO EINIGE KOSMISCHE SEKUNDEN LANG.

IM "SECOND LIFE" SIND ALLE RICHTIG, WEIL ALLES FALSCH IST  -  UND ALLE EINÄUGIGEN SICH DEN "BLINDEN" DES "FIRST LIFE", ALSO DER PHYSISCHEN REALITÄT UND EXISTENZ, ALS "SEHER" VERKAUFEN KÖNNEN, OHNE ES ZU SEIN. SIE MANIPULIEREN, TÄUSCHEN, VERBLENDEN IHRE "INNENGELEITETEN" HANDLANGER DES "FIRST LIFE" NACH STRICH UND FADEN, MACHEN SIE SICH NACH LUST UND LAUNE NÜTZLICH UND GEFÜGIG, BEUTEN SIE UND IHRE BESITZSTÄNDE AUS, IHRE ENERGIEN, LEBENSZEITEN, ENTWICKLUNGSPOTENTIALE UND GEFÜHLE. UND SOLANGE DER "INNENGELEITETE" ZWEIBEINIGE HUND IHNEN VERTRAUT, GEHORCHT UND FOLGT, SOLANGE SIND AUCH DIE MINDERBEMITTELTSTEN "SECOND LIFE"-ADEPTENKAFFER IM ARTIGEN SPIEßERGEWAND SEINE "HERREN" UND "MEISTER", OHNE DAß ER REALISIERT, WAS ES IHN AN EIGENSTÄNDIGKEIT, EIGENER ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVE, EIGENEM LEBENS-"KAPITAL" WIRKLICH KOSTET, SEINEN GEISTIGEN HORIZONT UND DESSEN AUSRICHTUNG UNÜBERPRÜFBAREN HALLUZINATIONS-SUGGESTIONEN ANZUVERTRAUEN  -  VON DER FEHLENTWICKELTEN WELT, DIE VON DEN BLINDEN "SEHERN" MIT "HÖHERER" LEGITIMATION OHNMÄCHTIG UND UNBEDARFT IN DEN ABGRUND GESTEUERT WIRD, NICHT ZU SCHWEIGEN!

 

* * * * *

"Sie treten in jeder Generation auf:

Die Einäugigen, Großmeister im Verdrängen, die Weißwäscher,

denen das Weglassen zur zweiten Natur geworden ist."

(Axel Hecht,

sich und Seinesgleichen charakterisierend;

Editorial, art 2/1991)

 

AUS FÜR AUST!

 
 
 
PhiLoSopHIe
 
 
 
"Mach Dir nichts draus, Aust!
Die Wahrheit ist immer ganz einfach,
nur Lügen und Irrtümer sind kompliziert.
Die Erde ist rund,
der "Spiegel" ist eckig,
und ein Aust dauert 90 Minuten!"
 
 
* * *
 
 
(aus:
R.Crumb/N.A.Eichler - AUSTMITTEILUNG!
(c) 2005 Hermes Verlag;
siehe Album "DOCS" am Fuß des Blogs;
s. auch:
"DER NEUE SPIEGEL -
Der Spiegel-Reader von N.A. Eichler",
ebda.)
 
 
 

E-Clip 7


WEISSES RAUSCHEN,
BLOND UND SCHWARZ



Die Dummheit hat viele Gesichter, und manchmal trägt sie blonde Haare. Ist es schon unerträglich, daß der neoliberale Triumphzug der Diktatur des Kapitals alle sozialen Fundamente der modernen Demokratien zertrümmern, und sie über kurz bis kürzer zum Zusammenbruch bringen kann, ohne daß eine mit offenen Mäulern erstarrte und Fassadenglanz-halluzinierte Publizisten-"Klasse" noch die Systemfrage zu stellen und zu diskutieren wagt, so ist es vollends zum Davonlaufen, wenn die doxosophisch-massenmediale Gehirnwäsche der abhängigen Untertanen durch pointierte Attentate auf ihre kognitiven Grundstrukturen noch übertroffen wird  -  die Demenz-Offensive des Kapitals auf die letzten Bastionen des Verstandes, der Vernunft und aufgeklärten Grundorientierung des westlichen Menschen und Bürgers also in ihre zweite Phase getreten ist: die der logisch-analytischen Entmündigung.

Der Kapitalismus, dies zur Erinnerung, ist ein wirtschaftliches System der "negativen Entropie" (Jean E. Charon). Nicht der Ausgleich von Interessen, der Austausch von Kapital und Werten (wie etwa Arbeit) ist sein Inhalt und Interesse, sondern die Absorption der Werte und des Kapitals von immer mehr Menschen zum immer größeren Reichtum von immer wenigeren. Daß dies die räuberische Enteignung aller "anderen" Menschen um ihre natürlichen, persönlichen Besitzstände, ihres "Lebenskapitals" bedeutet, die durch strukturelle, administrative Gewalt und Erpressung durchgesetzt wird, ist nicht eine "unangenehme Folge" oder "unvermeidliche Begleiterscheinung" des Kapitalismus, sondern konstituierende Grundlage und funktionsmechanische Substanz des Systems, ja das "System" selbst, das Asozialität und Sozialdarwinismus zur finanztechnischen Daseins- und Selbstverständnis-Maquette kutiviert hat. Kapitalismus hat keine "Moral", die (s)ein System begleitend charakterisieren oder "mildern" würde  - Kapitalismus ist eine Moral: die des primitiven, subjektdefinierten Freßtriebs als Selbst- und Wertbestimmung der reflexionsfreien Ich-/Nicht-Ich-Dialektik. Also das, was der zeitlos unverständige, zeitlos untertane, zeitlos ergebene zeitlose Spießer und Soseinsbejaher ebenso abwegig wie verschleiernd als "unmoralisch" bezeichnen würde, könnte er es in seiner zeitlos-seeligen Adabei-Benommenheit und Verblödung sehen und erkennen.

Im Kapitalismus, gar gegenüber den Kapitaleignern, "Moral" anmahnen zu wollen, ist also ebenso sachverständig und analytisch luzide, wie gegenüber Kannibalen Tischmanieren, respektive die Verwendung von Messer und Gabel einfordern zu wollen: Nicht der unverständig grinsende Kannibale, sondern sein moralischer "Erneuerer" bedürfte einer kognitiven Inspektion. Und doch ist unsere publizistische Gegenstandsbewältigung auf diesem entmündigt-idiotischen Stand der Verhandlung angekommen:

"Moral statt Kapital" fragte die blonde Sabine Christiansen in einer ihrer letzten Sendungen (12.12.2004) adäquat  -  und fügte erläuternd die Leerlaufhülsen-Rhethorik "Brauchen wir eine gerechtere Weltordnung?" hinzu. Nun, wir haben, zumindest auf dem immer weniger beachteten Papier unserer Verfassungen, (noch) eine gerechtere Weltordnung, unsere Sozialgesetzgebungen und die Menschenrechte  -  die das Kapital, bislang noch unzufrieden in ihren Bahnen verkehrend, längst und systematisch dabei ist, abzuschaffen: Aus den betrieblichen und unternehmerischen Diktaturen gesellschaftspolitische zu machen, also tatsächlich von einer Wirtschafts- zur "Weltordnung" zu werden. Und nicht dieser Versuch des Kapitals ist die menschenfeindlich-gesellschaftsvernichtende Katastrophe  -  sondern die hirnlose Willfährigkeit, mit der die gesellschaftliche Weltordnung dies zuläßt oder gar legislativ-administrativ unterstützt: also die eigene Abschaffung, Zurücknahme, politische Selbstauslöschung betreibt. (Hat nicht unser "Auch-ein-toller-Manager"-Putzfrauensohn und Lakai aller Bosse Gerhard Schröder schon wenige Wochen nach seiner Erstwahl das Grundgesetz verhöhnen und seinen Text mit Füßen treten können, indem er gegen den präzisen Wortlaut von "der Staatspflicht der wirtschaftlichen Lenkung und Planung" spöttisch verkündete, der Staat habe "nicht zu lenken, sondern zu rudern", ohne daß ihn ein Verfassungsrichter des Amtes enthoben oder auch nur in den Arsch getreten hätte, um ihn an seine beeidete Amtspflicht zu erinnern ?)

Frau Christiansen, sonst und zu anderen Themen durchaus standfest-kritischer Haltung fähig, war, wie andere ihrer Zunft schon längst vor ihr, der zweiten Stufe der Werte-vernichtenden kapitalistischen Demenz-Offensive erlegen: "Warum ist da nicht mehr für Hilfe da?", fragte sie, jedes zerebralen Augenpaar-Hintergrunds ledig, den Kapital-Protagonisten der Hypo-Vereinsbank Kurt Viermetz, und meinte damit Geld. Die Entmündigten und Entrechteten bescheiden sich im Erbetteln von Almosen zur Elends-Erleichterung  -  und der damit bezweckten kognitionsfreien "Charity"-Image-Politur ihrer Ausbeuter und Enteigner. "Vielleicht kann man noch die Kontonummer einblenden..." fügte der Spender Peter Krämer hinzu. Das Kapital, als Moral, hat gründlich gesiegt.

Und die vermeintlich designierte "Nachfolgerin" von S. Christiansen, Anne Will, kein bißchen blond und doch noch viel weniger als das, war zwar mit PR-Trailer-Schaum vor'm großen Sendermund als solche angekündigt, von ihr auf dem Bildschirm aber bisher nichts zu sehen. So sehr man auch Ausschau hält: Einige unbeholfene, absurde Stelzgänge durch einen großen, hohlen Raum, der an das nackte Winterquartier von Sarasanni erinnert, einige sinnleer-fadenlose Begriffs-Droppings, an denen (woran auch sonst?) erkennbar werden soll, daß sie sich schon mal an einer Uni irgendwas "abgearbeitet" hat, einige wäschegummigedehnte Strecksätze in der knarzenden Stimmlage einer alten, verrosteten Scheunentürscharniere  -  ansonsten bleiben Raum wie Bildschirm hirnlos, leer und stumm. Und ein überdimensionierter Schriftzug am Ende macht das große Sendungsloch zuvor und den grassierenden Kompetenzpersonalnotstand bei ARD und ZDF erst voll und ganz bewußt.

Das Weiße Rauschen einer bunt-bewegt, niveaulos-kognitionsfreien Medienwelt, auch und gerade in den "seriösen" Informations-Diskurs-Sparten, in der immer etwas geschieht und doch nie etwas stattfindet, nie etwas bewirkt werden soll, schon gar keine Erkenntnisprozesse bei den zu unterhaltenden Zuschauern, hat einmal mehr zugenommen und strebt dynamisch seiner Finalität zu: der allumfassenden, nichtssagenden Dauer-Bildschirmanimation auf Bewußtseinshöhe Null.

 

((C) 2007 by the author)




PostScript 5

 

P – Ä – N - G - !

 

 

URPS! ZOOIIINNNNG! KRATZ! KRACH! KICHER! BOOIIING! ZISSCCCHHHH! Das wesentliche Merkmal, das den Menschen vom Tier unterscheidet, ist die Fähigkeit der Anteilnahme am Außer-Ich, dem anderen, die Möglichkeit einer, wenn auch noch so rudimentären, Identifikation mit seinen Artgenossen, die in Mitfreude und Mitleid, Gemeinsinn und sozialem Interesse sich manifestiert. Dieses „menschliche" Potential steht und fällt mit der Kommunikation zwischen den Menschen - es entfaltet sich, wo Kommunikation und Information möglich, es entfällt, wo sie unmöglich, verhindert und ausgeschlossen, „der/die andere/n" außer Sicht-, Hör-, Reich- und Fühlweite sind, zumindest weit genug auf Distanz zur inneren und äußeren Begrenzung des eigenen „Welt"-Kreises. Wer Menschen beherrschen will, und verhindern, dass sie sich über ihren Status austauschen, sich erklären, aufklären, verabreden und zur Erkenntnis ihrer Unterdrückung kommen können, der muß nur ihre Möglichkeiten dazu beschneiden oder zumindest kontrollieren, und das System „funktioniert".

Kommunikation ist Sprache, welche Form - verbal, visuell, akustisch, gestisch - sie auch annimmt, auf welcher Ebene sie auch stattfindet. Wer die Sprache kontrolliert, kontrolliert den Menschen, sein Bewußtsein, sein Weltbild, sein Leben schlechthin. Und wer Menschen verblöden will, der muß a) jeder ernsthaften und inhaltlichen Auseinander- (oder Zusammen-) setzung aus dem Weg gehen, und b) billige, nicht angreifbare Repräsentationen für sein erwünscht falsches Weltbild anbieten, die das Bewusstsein scheinbar mit Inhalten und Aussagen bedienen und zufrieden stellen, in Wahrheit aber im Autodelirium von nicht erkannten Verblendungen halten. Beides gelingt mit jeder Art von Symbolsprache, da unpräzise und übersetzungsbedürftig und als Vehikel für jede Projektion, jeden schwachen Sinn, jede manipulative Kommunikation, die sich konkreter Überprüfung entziehen will, hervorragend geeignet. Und beides ist das, was die adeptischen Gemeinplätzchenbäcker der selbsternannten „kosmischen Hierarchie" praktizieren, worauf sich das lächerliche Machtgefüge ihres okkulten Biederkeitsimperiums stützt.

Wer also vom Gangstertum der Eingeweihten redet, das als Schattenmacht heute weitgehend alle öffentlichen und privaten Lebensbereiche beherrscht und kontrolliert, der „kosmischen Hierarchie" der „Illuminaten" und „(Frei-)Maurer" jedweder Benennung und Provenienz, ihrer „sanften Verschwörung" (und wie sich diese - „Mister Bombastic, Mister Phantastic" - okkult-weltliche Bewegung wild und größenwahnsinnig gewordener Klein- und Großbürger, potemkinsch aufgeblasen, beschönigend und gigantoman wie in allen ihren Dingen, sonst noch so nennt) und ihrer Macht über Menschen, muß auch von ihrer Sprache reden, dem wichtigen Herrschaftsinstrument, das, neben den okkulten Praktiken der Verblendung, Verblödung und Vergewaltigung von den „inneren Ebenen" der Wirklichkeit her, auch auf der äußeren, weltlichen Ebene funktionabel und effizient ist. Ihrer Kommunikation, die die Herrschaft weniger über viele im gesellschaftlichen Alltag erstellbar und offene Verbrechen praktikabel macht, ohne daß eine unerwünschte Nachweisbarkeit durch Öffentlichkeit möglich ist. Einer „Geheimsprache" also, die Informierten etwas sagt und Nicht-Informierte zugleich ausschließt. Denn Geheimhaltung - wie auch die Aufrechterhaltung eines imaginären Feindbildes der „anderen", „primitiven", „materieblinden" Menschen (obwohl kaum primitivere Zeitgenossen denkbar sind als viele derer, die sie sich selbst verpflichtet haben) sowie die Möglichkeit zu offenen Verbrechen in einer noch nicht rechtlosen Gesellschaft - basiert auf dem Ausschluß einer nicht-eingeweihten Öffentlichkeit durch Gebrauch von eigenen Codes, Signalen, Zeichen: einer Geheimsprache, die nur der unglücklichen Bezeichnung wegen mysteriös erscheint, in Wirklichkeit aber recht banal ist.

Das einzig „geheime" nämlich an dieser wie allen Geheimsprachen ist nur ihr Prinzip und Code, und die Information über diese macht ihre Existenz und Verbreitung sofort augenfällig und plausibel. Mit Geheimsprachen verhält es sich wie mit Punk-Haarschnitten: Sie sind überall gegenwärtig und sichtbar, jeder kennt sie, misst ihnen aber keine Bedeutung bei. Erst wenn man weiß, daß der aufrechte Irokesenstreifen oder die nach allen Seiten abstehenden Igelsträhnen Glaubensbekenntnisse bedeuten, ihre täglich wechselnden Farben Gemütszustände ausdrücken und Farb-/Formkombinationen vielleicht soziale Anlässe, erst wenn man den „Code" kennt, „sieht" man statt nichtssagender Frisuren plötzlich eine „Sprache", „liest" ihre Kommunikation so wie Punks untereinander auch, kann sich darauf einstellen - und das einzig „geheime" an der Geheimsprache war nur der eigene Mangel an Information, die Sprache selbst aber immer schon sichtbar und offenkundig. Und wer da enttäuscht nur ein primitives Signalsystem erkennt und das, was er als gebildeter und zivilisierter Zeit- und keineswegs mehr archaischer Stammesgenosse unter „Sprache" versteht und als solche kennt, in allen wesentlichen Merkmalen und Eigenschaften vermisst, - nämlich die Möglichkeit zu differenziertem Ausdruck, zu Analyse, präzisen Definitionen und wirklicher Kommunikation im Sinne von Informationsaustausch zum Zwecke gegenseitiger Bewusstseinserweiterung und Instruktion -, der sieht sich zu recht ent-täuscht und erkennt zugleich, was das „geheimste" und „mysteriöseste" an solchen „Geheimsprachen" ist: nämlich ihr Anspruch, eine „Sprache" zu sein. Und der nur beispielhaft erfundene Punk-Code ist dabei in keiner Weise dümmer oder archaischer als die „Geheimsprache" der „Adepten", von der hier die Rede ist.

Denn ganz genau so, genau so „geheim" und genau so substantiell verhält es sich mit der Sprache und Kommunikation des adeptischen Gangstertums und des gesellschaftlichen Apparats ihrer allgegenwärtigen (un-)„sanften Verschwörung". Geleistet wird das nur scheinbar schwierige Unterfangen einer öffentlichen Kommunikation „unter Ausschluß der Öffentlichkeit" durch diverse Formen von symbolischer Kommunikation, die von alltäglich-trivial bis okkult-esoterisch reichen können, in jedem Fall aber das Niveau primitivster Zeichen und Gebärden, mit allen erwähnten Defiziten und kommunikatorisch-rudimentären Unzulänglichkeiten, nie übersteigen. In plump-symbolischer Weise wird alles, was ein Mensch an einfachen Alltäglichkeiten sonst auch tut, sagt, ausdrückt, mit einem zweiten, einem Doppelsinn ausgestattet, der von dem, der die Mechanik kennt und in ihren Gebrauch eingeführt ist, schlicht in seinem zweiten Sinn gelesen wird, während er für alle anderen unverständlich oder banal bleibt, vordergründig trivial oder „normal". Die „Geheimsprache" der Adepten und ihres Fußvolks, die ein wesentliches Instrument und eine wichtige Basis ihres öffentlichen und allgegenwärtigen und doch nicht nachweisbaren, dingfest zu machenden Terrors, von Verfolgung und Erpressung und Tyrannisierung anderer und des Funktionierens ihres ganzen verbrecherischen Systems darstellt, ist zwar an Aussagelosigkeit, Primitivität und Verblödungswirkung auf die, die sich ihrer bedienen, kaum zu überbieten. Ihr Erfolg aber bei buchstäblich „Jedermann" ist genau in diesen Tatsachen begründet: Nie war es für schlichte Gemüter einfacher, sich „zugehörig" und „überlegen" zu fühlen, nie war es für jemanden, dessen Intelligenzquotient seiner Körpertemperatur entspricht, leichter, sich als „informiertes Mitglied einer Elite", das sich einer Insider-Sprache bedienen und über andere erheben kann, zu fühlen und darzustellen - wie wenig man auch in Wahrheit von den tatsächlichen Vorgängen begreift und versteht, wie sehr man auch selbst am (des-) informativen Tropf (s)eines Adepten-„Gurus" hängen mag. So einfach werden Idioten nützlich - und über diesen ihren Status erfolgreich hinweggetäuscht.

Die benutzte „Symbol-Sprache selbst besteht im wesentlichen aus drei Kategorien von Zeichen, die aufeinanderfolgende Entwicklungsstufen desselben Prinzips darstellen:

1. Die ganz normale, jedem Menschen zu eigene Kinesik, also Körpersprache, die nun halt nicht mehr unbewußt, sondern bewusst und gezielt, als Kommunikationssymbolik zum Einsatz kommt (Haltungen, Gesten, Mimik, Berührung von Körperteilen, etc.).

2. Die erweiterte Kinesik, also eine Art Gebärdensprache, die sich der Elemente der klassischen Kinesik noch bedient, aber bereits durchsetzt ist mit „schöpferisch" gestalteten Zeichen, Gesten, Gebärden, Verhaltensformen, usw. (Hand vor die Stirn halten: „Brett vor’m Kopf"; Zeigefinger an Mund: „Fressen wollen" bzw. „Friß es!"; Finger an Nase: „Riecher haben; etc.). Meist, weil dem schlichten Gemüt der symbolischen Kommunikatoren entsprechend und geläufig, also bloß gestische „Übersetzungen" idiomatischer Redewendungen auf Bauernkalender-Niveau. Gelegentliche „virtuose" Varianten (Finger an Nase kann auch „die Nase raufschieben" statt „Riecher" bedeuten, etc.) sorgen dabei für die Spannung und Abwechslung, die auch ein Bewusstsein und Nervensystem vom Raffinement eines Engerlings braucht, um als geistvoll brillieren zu können.

3. Der „schöpferische" und „freie" Gebrauch aller Elemente von Wirklichkeit zur Repräsentation eines anderen Sinns, einer anderen Bedeutung als der, der ihnen natürlich oder gewöhnlich anhaftet. Diese „Symbolsprache" ist kein fester Code, sondern reicht von einfachsten Handhabungen von Gegenständen auf banaler Alltagsebene - wie dem Zerreißen eines beliebigen Stücks Papier, um zum Ausdruck zu bringen, dass man von einer gemachten Äußerung nichts hält (eine der Lieblingsbeschäftigungen unseres Kanzlers Kohl bei Reden politischer Gegner) - bis hin zu hochgradig esoterischen Symbolstufen, die nur noch fortgeschrittenen Adepten und Eingeweihten vertraut und verfügbar sind - wie etwa der gezielte Gebrauch eines bestimmten Fingers an einer bestimmten Hand, der einen bestimmten Planeten und dessen Symbolik repräsentiert, oder das Berühren eines Körperteils bzw. Organs, das eine präzise (qabbalistische) Energie im Persönlichkeitshaushalt bedeutet, oder der Hinweis auf eines der Chakren im Körper (Joseph Beuys: „Ich denke sowieso mit dem Knie), usw.. Kurz: das Spektrum findet seine Grenze nur im Informations- und Bildungsstand dessen, der sich dieser Symbole bedient und auf ihrer Ebene „kommuniziert".

Allen Varianten gemeinsam ist aber dieses eklatante Defizit jeglichen intellektuellen Anspruchsniveaus an „Kommunikation" - und damit dessen Aussagefähigkeit. Ein als „einfach" missverstandenes, in Wirklichkeit aber bloß rudimentäres Funktions-Niveau von Bewusstsein bildet alle mühsam erworbenen sprachlichen Fähig- und Fertigkeiten, sich Wirklichkeit auf höheren Bewußtseinsebenen zu repräsentieren, in sprachlichen Abstraktionen zu denken und sich mitzuteilen, von Intellekt zu Intellekt (und nicht von Psycho-Krüppel zu Psycho-Krüppel auf Malbuchniveau), zurück auf Höhlenmaler-Status. Statt Volksbildung für Zurückgebliebene die Ent-Bildung für Fortgeschrittene, zurück auf die Bäume und ins Neandertal und zu analphabetischen Gebärdensprachen, wo man mit Grunzen, Jucken, Schädelkratzen und Hinterteil-Hinhalten als „Kommunikationsspektrum" seinen Artgenossen alls Bewusstseins- und Lebens-Notwendige mitteilen konnte und darüber hinaus nichts mitzuteilen hatte - von wirklich erkenntnisspendenden Abstraktionen der konkreten, sambolisch-vagen Umrißwirklichkeit ganz abgesehen. Das „Zack", „Grunz", „Fauch" der Comics als gestische Form des Denkens und der Wirklichkeits-Lektüre für degenerierte Angehörige einer esoterischen „Elite"!

Dieser wie allen Symbol- und Doppelsprachen und ihren Inszenierungen durch Pseudo-Ereignisse im Alltag ist eines gemeinsam: Sie kündigen den sozialen Konsens unseres von Kindheit an trainierten und geschulten Kommunikationsbewußtseins und Wirklichkeitsverständnisses und etablieren eine Art Meta-Ebene, die noch dazu den Anspruch erhebt und den Schein erzeugt, aufschlussreicher und bedeutender zu sein als die ursprüngliche. Eben darin liegt ihr fataler Charakter, ihre Gefahr, ihre destruktive Wirkung - und ihre beliebige Benutzbarkeit und Einsatzfähigkeit für alle kriminellen und nicht kontrollierten Zwecke und Ambitionen.

Sprachevolutionär gesehen ist die Etablierung solcher Symbolsprachen die Reduktion und Regression des Menschen auf urzeitlich-primitive Stufen signalhafter Kommunikation, die ihn aller Kultur und Finesse, aller Komplexität der sprachlichen und damit intellektuellen Kultur berauben, die er sich in nun vieltausendjähriger Evolution nur allzu mühsam erarbeitet hat. Der Ersatz der gesprochenen und gedachten Sprache durch archaische Psycho-Piktogramme transformiert sein Wachbewußtsein in das trancehafte, von Psychobildern geleitete Traumbewußtsein des somnambulen Schlafwandlers - und das bei Tage, im „richtigen" Leben. Das ihm als „bildliche Abstraktion" und „astral-symbolisches Training angediente und verkaufte debile Gestikuliere, Gebärde und Gehampel anästhesiert seine kritische Intelligenz und reduziert sie auf eine bloß äffische Schematisierung von Wirklichkeit, die ihr wirklich abstraktes und damit weit überlegenes, differenzierteres sprachliches Denk- und Kommunikationsvermögen weit hinter und über sich zurückgelassen hat - und entzieht sich zugleich jeder kritischen Überprüfung, Verifizierung und Kontrolle, da die so Manipulierten niemals wirklich miteinander kommunizieren, niemals wirklich in Austausch treten, zueinander finden und ihre Bewusstseinsinhalte und –haltungen überprüfen können. Sie eröffnet das endlose Feld der Projektionen: Was nicht ausgesprochen wird, kann auch nicht widerlegt, als falsch oder diskutiert werden. Die ideale Kommunikationsform für Despoten, die Menschen in nichts-sagender Pseudo-Kommunikation aufeinander loslassen und die darum doch nicht zueinander oder zu einem besseren Verständnis finden können: Denn eine „Kommunikation" (communicare = gemeinsam machen) findet gar nicht statt - nur zwischen dem befehlserteilenden Despoten und seinen rezipierenden Untergebenen. Der Herr führt jeden Hund an seiner Leine - nur die Hunde untereinander verbindet nichts.

Und wenn sie nicht gestorben, sich angesichts der wirtschaftlichen, ökologischen und menschlichen Realitäten auf der Erde und um sie herum nicht (nach dem Insassen-Prinzip „Don’t worry, be happy") um den letzten Rest von Verstand gegrinst oder von einer immer deutlicher sie widerlegenden Wirklichkeit eingeholt und geweckt worden sind, dann - „SPUCK", „VERRENK", „HETZ", „KRATZ", „KEUCH" - hampeln sie noch heute, hacken die Fersen und spitzen die Zehen, dass es die Kniebänder nur so ausleiert, kostümieren sich im Ganzjahresfasching, dass die Wirklichkeit nur so graut - und folgen ihren an ihrer Stelle denkenden und noch viel dürcher als sie blickenden Adepten bis ans Ende der Welt und weit, weit darüber hinaus - dorthin, wo jeder Sinn und Verstand und alles Denken ein Ende hat und die große kosmische Nacht kein Oben und Unten mehr kennt und wir alle eins und zusammen und unterschiedslos eine Soße in der dunklen Ursuppe des Lebens sind und keiner mehr weiß was eigentlich los ist - aber wozu das dann auch noch. Oder so.

 

 

(© 1996 by the author

Alle Rechte vorbehalten –

All rights reserved)

 

* * * * *

 

„Dem gegenwärtigen System der Dissuasion und der Simulation gelingt es, alle Finalitäten. Alle Referentiale und jeglichen Sinn zu neutralisieren; es scheitert allerdings an der Neutralisierung des Scheines. Das ist unsere letzte Chance."

(Jean Baudrillard

Laßt euch nicht verführen!

Berlin 1983)

 

 

 

PostScript 2

 

H Y M N E

UNSER FREUND, DER GROSSE ADEPT

(zu singen nach der Hymne von Nic Niobe/Arr. Herbert Ziegler – Deffu-Ton-Verlag)

 

Wir sind die kosmische Hierarchie,

und ficken alle nur in das Knie!

Wir sind auserwählt, wir sind abgezählt,

denn wir haben die Zeichen der Zeit erkannt.

Schon geht der himmlische Segen los,

„Ich-auch-Übermensch" freue mich groß.

Es dient unsrem Wohl! Ach, fühlt man sich toll!

Wenn man so hohl adabei sein kann!

Unser Adept, weise und gut,

weiß genau was er tut!

Wir glauben, folgen, dienen ihm,

treugläubig für sein Ziel!

Es ist so gummizellenschön,

die Welt als Faschingsjux zu seh’n.

Wir laufen für ihn, hampeln, pöbeln ’rum,

für uns sind nur die andren dumm.

So merken wir nicht, was da keimt,

wie man uns zu Idioten schleimt.

Wir sind so informiert, und nützlich, in!

Wir blicken durch, ganz voll durch!

Denn unser Hausfreund, der Adept und seine Frau,

die blicken noch viel dürcher!

Und so stehlen sie uns mit Erfolg

die Lebenszeit!

 

 

(© 1996 by the author

Alle Rechte vorbehalten –

All rights reserved)

 

* * * * * 

 

„Pseudoereignisse (pseudo-events) erzeugen in geometrischer Progression weitere Pseudoereignisse. Das ist zum Teil deshalb so, weil jedes Pseudoereignis (also etwas Geplantes) leicht zum Ritual gerät, mit eigenem Protokoll und einer ihm eigenen Rigidität. Wenn nun jedes Pseudoereignis in diese Rigidität verfällt, entsteht der Zwang, andere, abgeleitete Formen von Pseudoereignissen zu erzeugen, die fließender, unwiderstehlicher und auf interessante Weise doppelsinnig sind.

Sobald wir einmal Geschmack an Pseudoereignissen gefunden haben, neigen wir leicht zu der Annahme, es handle sich um die einzigen interessanten Ereignisse überhaupt. Unser Fortschritt vergiftet die Quellen unserer Erfahrung. Und das Gift schmeckt derart süß, dass unser Hunger auf harte Tatsachen zunichte gemacht wird."

(Daniel J. Boorstin:The Image.

A Guide to Pseudo-Events in America (1961),

New York 1977)