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日志


ZAPPED

 

 

UNCLE OBAMA McCAIN

 

 

Ich habe eine Email von Barack Obama erhalten. Die bekommt jeder, der sich einmal bei ihm (an-) meldet (etwa unter www.barackobama.com)  -   sogar Claus Kleber nach einer Interview-Anfrage.  Ob das allerdings, über die Befriedigung der eigenen Wichtigtuerei hinaus, wirklich die „heute“-Nachrichtenmeldung wert ist, die er glamoursüchtig daraus gemacht hat   noch dazu , wenn  d a s  die Meldung ist, und nicht etwa der Inhalt der Mail  -  das liegt offenbar außerhalb des Denk- und Urteilshorizonts von Reichsleutnant a.D.u.R.* Claus K..  Ihm geht es nur um die Eigenanzeige, sich am Glanz von Obama ein wenig als wichtig aufpolieren und vermelden zu können  - und sei es auch nur „scherzhaft“ (und natürlich nicht ohne „bescheiden“ den wirklichen Charakter der Mail nachzureichen, damit die hohle Ego-Spiegelei nicht ganz so erscheint).

Im ZDF geht eben alles – nur nicht das Sinnstiftende, Notwendige und Richtige.  Etwa grundsätzliche Meinungsfreiheit und Mündigkeit auch seiner Mitarbeiter   oder gar die Möglichkeit zur öffentlichen Kritik an einer öffentlichen Institution, deren einzige Existenzform und Unternehmenscharakteristik Öffentlichkeit ist!

In der Email warnt mich Obama vor der entsetzlichen Smear-Email-Kampagne, die gegen ihn im Net betrieben wird   und wie ich dagegen vorgehen könne:  Indem ich ihm jede solche Mail übermittle und melde   und indem ich auch meine Freunde davor warne.  Und: Indem ich selbst etwas gegen solche fiendish and heinous Net-Botschaften unternehme: „Fight back against „hateful“, „vicious“,  and „desperate“ robocalls and mailers.  Report a Smear  -  spread the truth on your site or Blog!”

Also, lieber Claus: Falls auch Du wieder eine Mail von Obama bekommen hast und, was bei Dir mehr als wahrscheinlich sein dürfte, Smear-Emails gegen Obama von seinen eigenen pro-Obama-Mails nicht unterscheiden kannst, melde doch einfach jede Obama-Mail, die Du erhältst, sicherheitshalber an sein Büro (Adresse: watchdog@barackobama.com).  Die werden das dort aussortieren und Dir die guten ins Töpfchen zurückschicken.  Und Du kannst dann in den heute-Nachrichten immer mal wieder melden: „Ich habe eine Email an Obama geschickt.“  Macht doch gleich wieder was her, nichwah ?  Promi-wichtig, sozusagen!  (Da hast Du’s dann vielleicht garnicht mehr nötig, Dich nochmal zum Repräsentanten des deutschen Fernsehpreises und seiner Verleihungsgala aufzublähen, selbst Tage nach dem Ereignis noch ganz Eventeigenglanz-berauscht halb auf den „heute“-Nachrichtentisch zu klettern und Dich, im Namen des deutschen Fernsehens und, sozusagen als Sprecher der beteiligten deutschen TV-Prominenz, ganz jovial, wenn auch ohne Inhalt und Aussage, an den „lieben Marcel Reich-Ranicki“ zu adressieren, damit alle vor ihren Millionen Fernsehschirmen sehen, wie wichtig und prominent Du schon bist! Du durftest schließlich diesmal ganz persönlich adanebenbei vorübergehend mit auf der Bühne sein!)

Für ganz engagierte Obama-Anhänger und –Unterstützer aber gibt es noch weitere Optionen, für ihn einzutreten, sogar mit einer Anti-Smear-Website: www.fightthesmears.com.

Dabei scheint bei allen direkt (US) und indirekt (übrige Welt) betroffenen Bürgern des Landes und der Welt eine nicht ganz unwichtige Tatsache völlig aus dem bilderglasigen Blick geraten zu sein, falls es überhaupt im medienverengten Urteilshorizont je ins Bewußtseins-  und Betrachtungsfeld gedrungen ist:  Daß möglicherweise der richtige Kandidat für das US-Präsidentenamt in dieser turbulenten Zeit überhaupt nicht zur Wahl steht, von Anfang an nicht stand, weil es keinen gab  -  daß hier nur die Wahl zwischen zwei falschen und unbrauchbaren Kandidaten zu treffen ist, die zwei verschiedene Programm-Varianten und damit Entwicklungsabläufe für den nachfolgenden Niedergang Amerikas repräsentieren.

Der eine, der kriegsversehrt-gehandicapte John „Uncle Sam“ McCain als die personifizierte Symbolverkörperung der USA im heutigen Istzustand des Landes, das blessiert, alt und geschwächt aus seinen Kriegen hervorgegangen ist und seine gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Zukunft, ohne ihre Erfüllung je erreicht zu haben, bereits hinter sich weiß  -   aber nach wie vor an den Holzschnitt-Mustern eines rudimentär verstandenen und definierten „amerikanischen Traums“ festhält und in eine längst veränderte Globalwelt verschleppen will, ungeachtet der ebenso illusionären wie unzulänglich-schlichten Vorgestrigkeit seiner realitätsfernen Prämissen.

Und der andere, die ersehnte, eine von den historischen Baumwollfeldern und Diskriminierungsketten befreite Leitfigur Barack „Uncle Tom“ Obama, die neben den ohnehin richtigen sozialen Grundprogrammen aller demokratischen Kandidaten (wie immer sie jetzt, in und nach dem eingetretenen Desaster der kapitalistischen „Freiheit“, noch zu finanzieren sein sollen) wenig von den weltpolitischen Konstellationen zu begreifen scheint, die den Planeten längst immer asymmetrischer um seine Achse eiern lassen.  Der mit dem Rückzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak einem falschen Krieg die große Katastrophe folgen lassen  -  und zugleich mit einem totalen Afghanistankrieg (falls Biden das nicht zu verhindern weiß) das Pulverfaß Pakistan endgültig zünden, eine radikalmuslimische pakistanisch-afghanische Atommacht entbinden will.

Und beides,  das alles in einer Krisenzeit, in der das von den Kapitalgangstern der eigenen Banken finanziell marodiserte Amerika zum Sozialhilfeempfänger des kapitalisierten China-Kommunismus zu werden droht, zugleich aber mit seinen Sicherheitsgarantien für Taiwan auf der ideologischen Gegenseite im Wort und Gefechtsstand steht  -  während Putins Rußland, nicht erst seit dessen als Verheißung gemeinte Vision und  Drohung (in Schröders Bundestag nahezu beiläufig, aber unverblümt und unmißverständlich vorgetragen und von allen unseren Michel-Parlamentariern einfach übergangen),  danach lechzt, für Deutschland, also Europa, die Amerikaner als Schutzmacht abzulösen und Deutschland, also Europa, den Fittichen des russischen Großreichs zu unterfüttern.

Vor diesem nur grob skizzierten Weltwirklichkeitshintergrund sehen beide Kandidaten für das Amt des Präsidenten der USA gleichermaßen falsch, geradezu erschreckend fehlformatiert aus.  So gern man sich einen farbigen Kennedy als Normalität im politischen Amerika auch wünschen könnte  -  zu einer anderen, für ihn richtigeren Zeit. Und so gern man sich auch außenpolitisch die USA als weiterhin stabilisierende, freiheitlich-demokratische Sicherheitsmacht vorstellen würde, deren Existenz und Präsenz allein so manche katastrophale Entwicklung und Ereignishaftigkeit in der jüngeren Geschichte des Planeten verhindert haben (von den andererseits selbst hervorgebrachten Desastern wie in Vietnam, Chile, Kuba hier einmal abgesehen).

Dabei waren von dem offenbar ernsthaft irre gewordenen Chavez in Venezuela, der sich in seinem Amerikahaß sogar mit Ahmadinedschad verbrüdert und damit seine so glanzvoll gestartete sozialistische Reformation im Innern denkbar schal und vergiftet wirken läßt, oder von der vertrackten Problematik im Nahen Osten noch garnicht die Rede, und sie sollen auch, zur Vervollständigung, nur kurz erwähnt sein.

Doch das ist nur die politische Dimension der Weltproblematik, die den künftigen amerikanischen Präsidenten erwartet.  Von der galoppierenden ökologischen und humanitären Katastrophe  -  eben durch die falschen Wirtschafts- und Kapitalprämissen des dementen zeitgenössischen Welt- und Lebensverständnisses der möglichst vollständigen Konsum-Ausbeutung aller vorhandenen Rohstoffe und Ressourcen des Planeten in möglichst kurzer Zeit zur möglichst großen Bereicherung einer immer kleineren Zahl von skrupellosen Kapitalgangstern auf Kosten aller künftigen Daseinsmöglichkeiten und Bedingungen des Planeten und seiner dann vielleicht noch verbliebenen Bewohner hervorgebracht und weiterhin unreflektiert forciert  -,  die als Bühne, Kontext und panoramische Grundlage allen politischen und wirtschaftlichen Denkens und Geschehens zu verstehen und zu berücksichtigen wäre, vom grundlegend existentiellen, prämissiven Über- und Unterbau jeden Weltgeschehens und deren Verständnis also, war noch garnicht die Rede.  Sind sie wirklich ausreichend präsent im Bewußtsein der beiden einzigen verfügbaren und verbliebenen Kandidaten ?

Eher nicht, wohl kaum  -  keine Spur!

Und so bleibt Amerika nur die Wahl zwischen der einen und der anderen falschen Variante, der „Yes-we-can‘t“-  und der  „The-wrong-way-must-be-right“-Version seines Nieder- und Untergangs, der „The Black White House“-  und der „The White White House“-Flachhirn-Illusion einer weiter so machbaren Zukunft; so sehr gerade ich das bedaure.  Denn dieser Nieder- und Untergang Amerikas, auf den wir mit dieser Wahl ohnmächtig und ausweglos zusteuern, führt nicht etwa zum Aufgang eines neuen, besseren Modells von Wirklichkeit  -  sondern zur noch größeren, katastrophaleren Fehlentwicklung des ganzen Planeten, deren falsche Grundlagen und Gleitschienen zementiert, idiotisch irreversibel zu sein scheinen.  

Ganz so, wie der geniale amerikanische Dichter Lawrence Ferlinghetti (zusammen mit Allen Ginsberg, Ted Berrigan und Gary Snyder einer der überragenden Köpfe und Wegbereiter der zeitgenössischen Nachsechziger-Dichtung, die in Deutschland nie wirklich angekommen und nie, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, aus sich heraus entstanden ist) in seinem legendären Amerika-Gedicht "Ich warte" schon vor Jahrzehnten geschrieben hat**:

„Weil alles noch viel schlimmer wird,

bevor es besser wird.“ 

Und ganz so, wie ich vor Jahrzehnten in einem (von der Stadt Frankfurt mit einem Prosapreis ausgezeichneten) Text geschrieben habe:

 „Der nächste Anfang darf kein Ende haben.

Gibt es einen nächsten ?

Wir werden sehen.“  

Aber bis da ist es noch eine Weile hin  -  bis nach Sam Obama „Uncle Tom“ McCain.  Sie sind beide nur der falsche Weg, der dorthin führt.  Der eine wie der andere.

Und damit dürfte ich Obamas Mail-Aufforderung "Report the truth on your site or Blog!" (siehe oben) mehr als nur oberflächlich nachgekommen sein. Auch wenn seine Vorstellung von "the truth", von sich selbst wie von der Welt, sich wohl kaum mit meiner decken dürfte.

Aber andere Sichtweisen auf denselben Gegenstand und sich selbst muß jeder Politiker, auch der eventuell künftige Präsident der USA, nicht nur ertragen  -  er muß mit ihnen leben können. 

 

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*außer Dienst und Rang        **davon mehr demnächst in diesem Blog 

 

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GEGENGEDICHTE

 
 

 

UNVOLLENDETES GEDICHT No. 1

 

 

                         Ich setze zum Sprechen an…..

                                         (Draußen geht ein Wind nieder…..

                                         (Nein, ein Wolkenbruch…..

 

                     Ich setze zum Sprechen an…..

                                          (Das könnte der Briefträger sein…..

                                          (Ich bin Fernsprechteilnehmer…..

 

                      Ich setze zum Sprechen an…..

                                                      (Wie komme ich jetzt auf Vampirbisse…..

                                            (Hier gibt es keine Schlangen…..

 

                       Ich setze zum Sprechen an…..     

                                             (Alle diskutieren über das Jenseits…..

                                             (Doch niemand schließt die Augen…..

 

                        Ich setze zum Sprechen an…..

                                               (Wieviele Tote wurden gezählt…..

                                               (Ist eine Wiederholung vorgesehen…..

 

                         Ich setze zum Sprechen an…..

                                                 (Diese Witterung entspricht nicht der Jahreszeit…..

                                                 (Wenn nur die Jahre in der Zeit bleiben…..

 

                          Ich setze zum Sprechen an…..

                                                  (Ja, die Menschen haben sich verändert…..

                                                  (Der Spiegel ist immer schuldlos…..

 

                           Ich setze zum Sprechen an…..                   

                                                    (Nicht daß ich etwa gegen aktuelle Ereignisse hätte…..

                                                    (Nur, in letzter Zeit gab es so viele davon…..

 

                            Ich setze zum Sprechen an…..

                                                                   (Nein, ein Untergang ist keine Lösung…..

                                                      (Es sei denn, etwas Neues steigt auf…..

 

                             Ich setze zum Sprechen an…..

 

 

* * *

 

Aus dem Band

„GEGEN GEDICHTE  -  Gegengedichte“

(1969 – 2008; unveröffentlicht)

 

 

Beachten Sie das Künstlerbuch

„LeBook  -  MODEL : SHIRAZ“

(Linoldrucke auf Bütten, Auflage: V & II Exemplare), 1997,

am Fuß des Blogs und unter Fotoalben

* * *

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E-CLIP 23

 
 

„Uuund: Switch!“

 

Wer hätte das gedacht: Daß ich nochmal an die Seite von Marcel Reich-Ranicki treten würde, um eine seiner Aussagen zu bekräftigen. Und doch ist es jetzt soweit gekommen.

Es gibt nichts, was mich mit Marcel Reich-Ranicki und seinem Literatur(un)verstand verbindet. Schlimmer, anachronistischer und rückwärtsgewandter, gegenwartsliteraturverhindernder hat kein beschränkter Querkopf je alle Entwicklungen blockiert, diffamiert, schon im Entwicklungsansatz erstickt und zunichte gemacht wie er schon immer und viel zu lange  -  und es immer noch tut. Die mehr als nur angenehme Tatsache, daß es ihn nun schon eine Weile lang nicht mehr gibt, hätte eine Chance sein können  -  für die Entwicklung einer relevanten, zeitgenössischen deutschen Nachsechziger-Literatur, die die Sechziger-Lektionen und Entwicklungs-Befreiungs-Optionen gelernt und zum Durchstart für ein neues, zeitgenössisch-relevantes Literaturschaffen genutzt hätte; ohnehin viel zu spät, wie jetzt wieder auf der Buchmesse in allen Gängen und Etagen zu besichtigen und nachzulesen ist. Nichts hätte uns Antipoden auch nur annähern können.

Nichts ? Doch  – seit dem Oktober 2008 gibt es etwas, was uns verbinden und mich fast schon halb mit ihm, in seinem Abgang sozusagen, versöhnen könnte:  Sein angeblicher „Eklat“ bei der Verleihung des deutschen Fernsehpreises im ZDF, gesendet am 12.10., aufgezeichnet und deshalb schon einen Tag zuvor in den Nachrichten verbreitet, am 11.10.2008. ZDF-Intendant Schächter, in Vorahnung der Gefahr, hatte ihn zuvor gebeten: „Bitte nicht zu hart.“  Oder ist das ein Indiz für eine abgekartete billige PR-Show ?

Als avisierter Abnehmer für den Ehrenpreis quittierte er, kaum auf der Bühne angekommen, die ihm zugedachte Ehrung mit Verachtung, wies sie quasi als Schmähung seiner Person und Leistung zurück: „Meine Damen und Herren, ich habe in meinem Leben und den 50 Jahren, die ich in Deutschland bin, viele, auch die höchsten Literaturpreise bekommen, und ich habe immer gedankt für die Preise, und es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, dafür zu danken.  Ich muß auf den Preis, den ich erhalten habe, irgendwie reagieren, aber ich möchte auch ganz offen sagen, ich nehme diesen Preis nicht an. Ich habe nicht erwartet, was mich heute hier erwarten würde. ( …) Es gibt ja Abende, die man schön erlebt. Aber nicht den Blödsinn, den wir hier gesehen haben. (…)  Wäre er mit Geld verbunden, hätte ich es zurückgegeben    aber hier gibt es nur einen Preis, den kann ich Ihnen nur vor die Füße werfen.  (…) Man kann im Arte-Programm manchmal sehr witzige Sachen sehen, häufig Wichtiges im 3Sat-Programm    aber nicht der Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben. Das ist alles ganz schlimm! (…) Und zwischendurch und immer wieder Köche, nichts als Köche!“    

Reich-Ranicki, der seine „Liebe zur Literatur“ immer als Alibi-Schutzschild vor sich herträgt, um (vermeintlich) unangreifbar zu bleiben, und meint, Botho Strauß „hat mit Literatur überhaupt nichts zu tun“, hat zwar nicht artikuliert, was ihm am Gesehenen des Preisabends so unverdaulich schien  -  Artikulation und stichhaltige Argumentation gingen ihm schon immer so ab wie Kaspar Hauser die Herkunft und Identität. Aber in der Bewertung hat er mehr als recht: Schlimm, übel  sind noch zu harmlose Begriffe zu dem preisverzierten und honneurten Hirnmüll, der da als repräsentativ auserkoren wurde und erschütternderweise auch tatsächlich ist.

Die Lore-Romane der 50er Jahre, jetzt nicht von Bastei-Lübbe im Heftformat einzeln (und nach drei offiziellen Vollpreismonaten im Sonderheft-Dreierpack)  für ein paar Groschen verhökert, kommen jetzt, im Zeitalter des Tiefkultur-Fernsehens,  als Telenovelas zu ungeahnten „Hochkultur“-Ehren. Als habe das Fünfziger-Spießertum der Nachkriegsalltage die Sechziger nur übersprungen, um seit den Siebzigern wiedergeboren zu werden und sich nun, in den alten Neon-Op-Art-Blümchentapeten und teuren Designerklamotten im billigsten Fünfziger-Putzfrauenkittelmuster, nochmal so richtig gemütlich die heile Welt einzurichten und zu beziehen, die ihnen durch das falsche Kriegsende so schmählich vorenthalten wurde.  Kognitive Blindheit und Weltentrückung ist schließlich nicht weiter schlimm    -  „dann hört man mit den Herzohren“, wie einer von der Bühne dem Publikum verkündet. Wenn man auch davon keine sonstigen hat, sicher.

Daher, versteht sich, wird der (und der, und der auch) Preis  -  das Hollywood-Kinderland läßt grüßen  -  natürlich „auch meiner Familie gewidmet“.  Im schlechtesten Poesiealbum-Debillyrikstil der Spießerlauben-Idylle, der so light und leer unter der Dauerwelle ist,  „steigt dabei der Blutdruck, und auch die Einschaltquote“. Darum geht es schließlich.  Und auch die Nachwuchspreise gehen natürlich an „Mamma“  -   und zwar „an Mamma“, und „nur für dich, Mamma“.  Aber sich im gleichen Atemzug über die mentale Frisur der nicht ganz ins Nachbarschaftsgruppenfoto der Fernsehfamilie passenden Gloria so duster redend, wie es nur unter dem eignen Pony sein kann (man ist ja, hier im Saal, „unter sich“  -  und auch das hätte ich nie gedacht: daß ich mal für Gloria Partei ergreifen würde).

Und das allgegenwärtige Treppenhaus der Bürger-Nachrichten-Systeme, als Mund-zu-Ohr-Beatmung für atrophierte Gehirnzellencluster, die Richter Holt und Salesch und ihre Fernsehgerichtsstuben, sich selbst statt Kulturzerstörungs-Kabarett als soziologische Feldstudien fehlverstehend, verleihen den Preis dann ausgerechnet an „Die Ausreißer“  -  nicht doch, nicht wirklich an Aussteiger, sondern für deren „Weg zurück“ ins gesetzestreue Spießerheim der Körnerdreck-Hühnerhorizontgesellschaft und ihrer mikroskopischen Nachbarschaftsklatsch-Peripherie.  Da wird dann nicht gefragt (nie!), warum es „Ausreißer“ sind/wurden, und vor welchem Realhorror sie tatsächlich in den ungewissen eines Elendsdaseins davonlaufen und den trotzdem noch bevorzugen  -  sondern nur, so der weinerlich-weicheiige Preisträger, daß es doch ab und zu gelingt, den einen oder anderen, „selten genug“, wieder heim ins Reich „der Familie“ zu führen.  Und wohin ist das ?

Natürlich bei Mama: Katharina Wackernagel weiß den Preis für die beste Schauspielerin richtig zu vergeben: „Eine zu Herzen gehende Wärme, daß man sich dazu als Mann nur eine Scheibe abschneiden kann.“ zeichne die Schauspielerin aus. Und was fällt ihr zu Veronika Ferres, der Preisträgerin ein ?  „Veronika Ferres in ihrer“  - na, was ? richtig: „Schönheit“.  Die beste Schauspielerin in einer Hauptrolle trägt bezeichnungskonform die Danksagungs-Arie im Standard-Hollywood-Stil vor  -  mit geübt tränenfeucht-brüchiger Stimme.  Und : „Dank an meine Familie.“  Und: „Wir haben mit uns gerungen, was wir heute abend machen sollen – Fußball Deutschland-Rußland, Boxen mit Klitschko, oder Fernsehpreis.“ Sie macht deutlich, wo ihr der Preis vorbeigeht  -  „zum dritten Mal hintereinander“.

Fußball Deutschland-Rußland ?  Boxen mit Klitschko ?  Oder Fernsehpreis ?

Das Heulsusen-Drama des multimedialen Bastei-Lübbe-Zeitalters platzt:  „Fußball und Boxen waren gestern“, belehrt Gottschalk frustriert.  Die Ferres hat ihm den Abend ruiniert, ist aus der Sonntag-Abend-Live-Rolle gefallen! Und doch war das nur ein Vorspiel.

Denn nun kam der Moment, für den viele ohnehin nur eingeschaltet und  auf den alle gewartet haben -  denn daß Reich-Ranicki den Preis abgelehnt habe, ging zum „Eklat“ aufgebauscht ja schon am Vortag als Werbetrailer durch die Nachrichtenmedien; schließlich war die Sendung einen Tag zuvor aufgezeichnet worden.

Für Gottschalk, der im Mediengewebe, das sich als Bewußtseinssedierung und  -verblödung über das kollektive Bewußtsein gebreitet hat wie Christos Stoffe über jedes Gebäudeprofil, die Entertainment-Masche häkelt und alles über seinen einförmig-monozellularen Schmalspurkamm schert, ist alles gleich und alles unerheblich.  Als wolle er als Dauer-Live-Illustration von Sloterdijks „Informationszynismus“ (in dessen erstem und einzig relevanten Werk „Kritik der zynischen Vernuft“, Bd.II) in die hiesige Mediengeschichte eingehen:  „Dem Bewußtsein, das sich nach allen Seiten informieren läßt, wird alles problematisch und alles egal. Ein Mann und eine Frau; zwei glorreiche Halunken; drei Mann in einem Boot; vier Fäuste für ein Hallelujah; fünf Hauptprobleme der Weltwirtschaft; Sex am Arbeitsplatz; sieben Bedrohungen des Friedens; acht Todsünden der zivilisierten Menschheit; neun Symphonien mit Karajan; zehn Negerlein im Nord-Süd-Dialog  -  es können aber auch die zehn Gebote mit Charlton Heston sein  -  so genau nehmen wir es hier nicht.“  Und: „Der Zynismus führt in letzter Instanz zurück auf die amoralische Gleichsetzung von Verschiedenem, und wer den Zynismus nicht sieht, wenn unsere Presse zwischen Sektreklamen von Folterungen in Südamerika berichtet, der wird ihn auch in der Theorie vom Mehrwert nicht wahrnehmen, selbst wenn er sie hundertmal gelesen hätte.“

Auf Gottschalks Mono-Schmalspur, an Ranicki gerichtet, hört sich das dann so an: „Sie haben Ihrem Land einen unschätzbaren Dienst erwiesen – und den Kommunismus, den Faschismus und, wie es jetzt aussieht, auch den Kapitalismus überstanden.“  Jaja, jeden Tag was anderes auf dem Teller in unserer schönen, konfettiflachen Welt.  Und: „Sie haben einiges riskiert und sind aus der Welt der blassen Wunderkinder immer wieder auferstanden.“

„Blasse Wunderkinder“ in Auschwitz?  Wo Ranicki „den Faschismus überstanden“ hat, oder wo ?  Wie "jetzt den Kapitalismus", oder was ? Kann man da Ranickis Unmut, feige unausgesprochen umredet wie immer alles bei ihm, da nicht noch als viel zu verhalten bezeichnen ?

Gottschalk  versucht, die Abgabe des Preises zu retten: „Wir setzen uns eine Stunde mit den Intendanten von ARD, ZDF, RTL, etc. im Fernsehen zusammen, stellen diesen Preis dorthin und reden darüber.“

Und Ranicki, unangenehm fehlberührt und fehlpräsent , „akzeptiert das – mal sehen, was dabei  herauskommt“.  Läßt sich den Preis also beim Abgehen doch noch halb in die Tasche schieben. Gottschalk hat die Szene gerettet  -  den „Eklat“ noch Mainstream-salonfähig hingekriegt, allesinbuttert.

Und so kommt es nun: Am Freitag um 22.30 Uhr, wie das ZDF stolz verkündet, dem 17.10.2008.  Hauptsache  „da steigt der Blutdruck, und die Einschaltquote“ (siehe oben).

Mit den besten Grüßen an Martin Walser und der Botschaft an ihn, „daß mir sein Buch „Tod eines Kritikers“ gut gefallen hat“, läßt Gottschalk dann den Abend ausgleiten…  -  äh, ..klingen;  aus  k  l  i  n  g e  n.

Weiter mit Lafers Leckereien und den Handynummern von uns allen…

 

P.S.:  Doch zuvor, für ganz Unerschrockene,  dürfen wir uns heute noch auf „Zapp“ freuen, das zur TV-Klatschkolumne der Gewerkschaftszeitung „die Feder“ heruntergekommene „Insider“-Fernsehmagazin von und für Ahnungslose/n.  Das häßliche Entlein Inga Schneider, das sich, begünstigt durch den Mangel an Überbau und Konzeptprofil der Redaktion in allen relevanten Disziplinen der Medienkritik,  nur allzu gern eingereiht hat in die Mediennischenlandschaft der so beneideten Schönen und Fernsehbekannten, statt ihnen kritisch gegenüber stehen zu bleiben und panoramische Kritik und Perspektiven zu vermitteln, wird bestimmt den „Insider“-Klatsch von  „unserne Dschornalisten- und Medienwelt“  abtratschen, der sich hinter dem Fernsehpreis im Allgemeinen und dieser Verleihung im Besonderen „verbirgt“  -  und sich dabei selbst noch als Promi-„Dschornalistin“ fühlen  -  schön, schöner geht’s nicht!  (Waren das noch Zeiten, als, stimuliert durch Eichlers kritisch-inspirierende Emails, noch hin und wieder ein wenig Medientheorie und analytisches Bemühen erkennbar wurden.)  Und dabei wollte  -  ungewollte oder gewollte Satire ?  -  Harald Schmidt die Sendung gar mal ins Erste Programm verpflanzen, seine eigene sogar dafür opfern! Bitte, lieber Herr Schmidt:  Aber erst dann, wenn Ihre Sendung morgens um 4.30 im Regionalprogramm des RBB läuft, vor dem nationalen „Frühstücksmagazin“!  Und dafür läuft dann (Alice Schwarzer wird’s mir danken) „SWITCH“ auf den beiden freigewordenen Sendeplätzen…

 

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GEGENGEDICHTE

 
 

 

MONOPOLY

 

                    Sie haben einen Flughafen gebaut,

                    inmitten einer Wohnsiedlung.

                    Ziehen Sie 500 Millionen Subventionsgelder ein.

                    Investieren Sie 10 Millionen

                    in Lärmschutzwände, 90 Millionen

                    in Ihre Lärmschutzwandfabrik.

                    Bringen Sie 400 Millionen

                    auf Ihrem Schweizer Nummernkonto unter,

                    finanzieren Sie den Rest.

 

                    Sie haben ein Atomkraftwerk gebaut.

                    Zahlen Sie 350 Tausend in die Kasse

                    zur Finanzierung der privaten Schutzstaffel.

                    Bitten Sie um staatliche Subventionen

                    und erhöhen Sie den Strompreis.

                    Entschädigen Sie die anliegenden Bauern

                    in  Naturalien (Strom).

                    Verzichten Sie auf Gegenlieferungen

                    (Milch, Eier, Gemüse, Fleisch),

                    sie könnten verseucht sein.

                    Importieren Sie sie billiger, und

                    übernehmen Sie die brachgelegten Höfe.

 

                    Planen Sie eine Entsorgungsanlage.

                    Lassen Sie diese bevorschussen (mehrere

                    Milliarden).

                    Lassen Sie die Pläne sodann ruhen,

                    bis ein Giftmüllskandal die öffentliche

                    Meinung erregt. Verkünden Sie, daß Sie seit langem

                    an das öffentliche Wohl denken.

                    Verwirklichen Sie die Pläne nicht,

                    die Kosten könnten Ihren Profit schmälern.

                    Übergeben Sie das Projekt der öffentlichen Hand,

                    und vergrößern Sie durch eine großzügige Spende

                    die örtliche Mülldeponie.

 

                    Sie haben einen Bunker gekauft.

                    Sichern Sie ihn durch Selbstschußanlagen.

                    Zahlen Sie 5 Millionen in die Kassen von

                    Spendensammlern bei Benefizgalen.

                    Reden Sie darüber. Setzen Sie den Betrag

                    von den Steuern der Leute ab, gegen die

                    die Anlage Sie schützen wird.

 

                     Ein virenaktiver Gasnebel hat Sie erreicht.

                     Gehen Sie nicht ins Krankenhaus.

                     Gehen Sie nicht über Ziel.

                     Ziehen Sie nicht 50 Millionen ein.

                     Lassen Sie ein entkontaminiertes

                    Ärzteteam kommen.

 

                    Eine Neutronenbombe hat Sie überrascht.

                    Hören Sie auf zu würfeln.

                    Hören Sie auf zu

                    Hören Sie auf

                    Hören Sie

 

 

** *

 

Aus dem Band:

„GEGEN GEDICHTE  -  Gegengedichte“

(1969-2008, unveröffentlicht)

 

 

 

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KO(S)MISCHE ZEITEN 10


ROTKÄPPCHEN

 

Die zentrale Schlüssel- und Symbolfigur des Crowleyschen Satanismus, der aller Fehlentwicklung des westlichen Adeptentums und Innere-Ebenen-Okkultismus zugrunde liegt, ist „The Scarlet Woman“, von seinen minderbemittelten Gefolgsleuten und Anhängern in deutschen Textausgaben immer auf ihrem charakteristischen Geistes- und Bewußtseinsniveau schlicht mit „die rote Frau“ übersetzt.  In seinem Grundlagenwerk „Das Buch der Gesetze“ („Liber al vel legis“) kommt dieser „roten Frau“ die Aufgabe zu, als visionäres Leitmotiv zur Unterwerfung aller „Feinde“ (insbesondere christlicher Prägung), also der gesamten, noch nicht dem verschleierten Satanismus wissentlich oder unwissentlich verpflichteten Menschheit zu dienen  -  indem ihrer Herrschaft und Dominanz alle Individuen unterworfen und dienstbar gemacht werden sollen.

Auf  vordergründiger, gesellschaftlich-kultureller Ebene ist die „rote Frau“, in unser aller allgegenwärtigen Hollywood-Alltag auch mal als Julia Roberts („The Woman In Red“) auftretend, schlicht das harmlose weibliche Objekt des Begehrens des Mannes, für das er alles (oder so gut wie alles) zu machen bereit wäre.  (Das archetypisch-psychologische „Rot“ der Frau ist auch in der sexuellen Variante der östlichen Tantra-Mystik traditionell, in der der Mann komplementär „Weiß“ visualisiert wird, und in der westlichen Qabbalah (nicht dämlich-ignorant „Kabbala“ - die hebräische Schreibweise hat grundlegende energetische Bedeutung) ist rot u.a. die Farbe des biologisch-ätherischen Todes der weltlichen Persönlichkeit, des „24. Pfades“ des Lebensbaums  -  all das ist in Crowleys ideologischer „roter Frau“ implikant und subsummiert).  Auf der okkulten Realebene im Hintergrund der belanglosen gesellschaftlichen Fassadenrealität aber ist die von der eigentlichen Herrschaftsmacht (Adept oder „Satan“) instrumentalisierte „rote Frau“ das keineswegs harmlose Schlüsselsymbol für die Unterwerfung des menschlichen Denkens und Handelns beider Geschlechter (da auch der weibliche Konsens Voraussetzung ist) unter die Realität der geistlosen Materie mit ihren momentanen, flüchtig-vergänglichen Erfüllungsverheißungen, für die der Mann alles mit sich machen zu lassen bereit sein soll.

Dieser kleine, feine Unterschied ist weder klein noch belanglos, sondern von grundlegender Bedeutung: Während die gewöhnliche Paarungskultur des Menschen ein solches („rotes“) Signalspiel als Balzritual betreiben kann (und es damit als ideale Vordergrund-Alibi-Darstellung für sachfremde Interessen mißbraucht werden kann), ist das wirkliche Geschehen „dahinter“ im gegebenen Fall, also im Fall des Einsatzes gegen einen bestimmten Menschen zu seiner Brechung und Unterwerfung, von existentiell grundlegender Bedeutung über jede kurze Zeitspanne des physischen, vergänglichen Daseins hinaus: nämlich seiner Unterwerfung unter die Gesetze „des Teufels“ und dessen Opposition gegen die harmonische, göttlich-kosmische Ordnung aller Dinge des Daseins.  

Nun muß man sich diese „rote Frau“ nicht als mythisch-magische Figur oder gar außerphysische Wesenheit vorstellen.  Es geht schlicht um die ebenso symbolische wie konkret-physische Unterwerfung des Geistes unter die Materie, des Bewußtseins und Denkens unter die Dominanz des Körperlichen und seiner qualitativen Gesetzmäßigkeiten.  Das Körpergefühl und -bewußtsein hat Denken und Handeln des Menschen und seine Interessen zu bestimmen – nicht (s)eine  etwaige (höhere) Ethik, Moral, Einstellung, die ihn auch zu Leiden und Verzicht befähigen.

Zur Verwirklichung dieser strategischen Absicht wendet der Innere-Ebenen-Okkultismus, der in den westlichen Ländern entgegen aller bieder-bürgerlichen Selbstverleugnung und –verharmlosung längst ausschließlich schwarzmagisch, also satanisch definiert und charakterisiert ist, einen ebenso simplen wie wirkungsvollen „Trick“ als Handlungs- und Selbstdarstellungsprinzip an: Man eignet sich einfach alle in der göttlichen Schöpfungsrealität vorgefundenen banalen Selbstverständlichkeiten und Gegebenheiten der Realität an, und erklärt sie zum „Ideal“, zu Intention, Ziel und Absicht des eigenen (schwarzmagischen) Universums, sodaß bei den unbedarft-verblendeten Handlangern und Mitläufern/-machern kein Schatten eines Verdachts auf „unlautere Absichten“ oder gar „dunkle Mächte/Machenschaften“ aufkommen kann, weil, um den Preis des Verlusts jedes Wirkungs- und Handlungseinflusses und damit jeder „Macht“ und Perspektive, nicht aufkommen darf.  Auf  banalster Reader’s Digest-Ebene psychologisierend und so jede rational-kognitive Analyse und Kritik der Prämissen und Handlungen verdrängend, werden „Liebe“ und „Partnerschaft“, “Glück“, „Erkenntnis“, “Wissen“, „Freiheit“, also Atmen, Essen und Trinken, „Familie“ und „Gemeinschaft“ und was sonst noch jemandem als selbstverständlicher Gemeinplatz-Grundwert des eigenen Realitäts- und Lebensverständnisses in den Sinn kommen mag, einfach deklarativ abgenickt und zu eigenen Werten und Grundwerten erklärt, um sich die Gefolgschaft zu sichern.  Nur wem oder was, und zu welchem Ziel und Zweck man ihm folgt, darf nie hinterfragt werden; das wäre rational und gefährlich, würde sich als entlarvend und entmachtend erweisen.

Und Macht ist der Grundwert, die eigentliche und ausschließliche Prämisse, das (falsche, niedere) „Ich“, der „Wille“, das „Ich will“, mit der der „Satanismus“ das irdische Bollwerk dem überirdischen Geisteslicht entgegensetzen, sich ihm widersetzen, sein vergängliches „Reich“ dem der zeitlosen Blaupause eines materialisierten himmlischen entgegensetzen zu können meint: Das Ich über das Überich zu setzen  -  in sich selbst ebenso wie in der Mitmenschheit, den Opfern und Handlangern, den Marionetten und Mitläufern; den anderen.  „Weil dich die gleiche Stimme lenkt, und du am gleichen Faden hängst wie ich“, läßt man dazu unverblümt-verschleiert (und wie immer „ganz harmlos“ und so) den eigenen Pop-Nachwuchs singen (Ich&Ich), und: „Ich bin dein sechster Sinn, dein höheres Ich, dein zweites Gesicht“ (Grölemeier).  

Nun darf man sich unter „Satanismus“ nicht mittelalterliche Teufelsbeschwörer- oder gar die zeitgenössischen Horrorwood-Hollyfilm-Geisterbahn-Phantasmagorien vorstellen  -  kein Begriff ist im allgemeinen Projektionsverständnis der Menschen so falsch und Wahnphantasie-besetzt wie dieser.  Satanismus ist schlicht und banal eine Ideologie, und deren Chefideologe Aleister Crowley kann inzwischen zufrieden einer flächendeckenden, weltweiten Verbreitung seines Wahnadeptentums beiwohnen (ich selbst bin dem 1952 reinkarnierten Crowley 1977 in Amsterdam begegnet, nachdem er meine Bekanntschaft gesucht hatte und vorübergehend auch genießen durfte).  Da geht es weder um kultische Verehrung und Anbetung von Teufels- oder Baphomet-Figuren noch um schwarze Messen (obwohl all dies von einigen minderbemittelten Randgruppen eher schlichter geistiger Ausstattung und Evolutionsstufe natürlich nach wie vor praktiziert wird).  Da geht es noch nicht einmal (wie beim Vorbild-„Kollegen“ Crowley persönlich)  um die Bezeichnung und das Selbstverständnis, ein „Satan“ oder „Schwarzmagier“ zu sein.  Die adeptische („kosmische“) Initiationsrealität ist längst, durch Erosion und schleichende Deformation aller esoterischen Qualitäten und Prinzipien im Laufe ihrer Entwicklung, auf ausschließlich schwarzmagischen Paradigmen und Prämissen gegründet, ohne daß einer der „adeptischen Ko(s)miker“ das für sich als zutreffend bezeichnen oder gar reklamieren würde (und was schon zum Selbstschutz auch die dümmsten ihrer „ko(s)mischen Familie“  nicht tun würden, selbst wenn sie sich so verstehen).

Die artig-eloquenten „Kosmos“-Spießer und kognitiven Dorftrottel der okkulten Manager-, Mitmanager- und Möchtegernmanagerklasse im Business-Anzug, die heute im Hintergrund der „inneren Ebene“ und als brave Charaktermasken im gesellschaftlichen Vordergrund das öffentliche wie persönliche Leben der Menschen steuern bis diktieren, haben mit dem begrifflich deklarierten  „Satanismus“ nur selten was am kleingistig definierten, hybrid inflationierten Spießerhut.  Sie praktizieren aber seine Prämissen, setzen rigoros seine Ideologie durch, verkaufen sie banal-rhethorisch als „höhere“ Wahrheit, wenn nicht gar „Weisheit“  -  und finden kaum Widerspruch, da der Kontakt und Umgang mit den, früher „undenkbaren“, außerphysischen Parallel-Existenzebenen, die in keinerlei Hinsicht und noch längst nichts „Höheres“ sind, aber genau dafür gehalten und ausgegeben werden, für den durchschnittlich entwickelten Zeitgenossen völlig neu, unvertraut und halluzinativ-faszinierend ist, da ihm jegliche relevanten Informationen, Maßstäbe und Paradigmen zu ihrer Beurteilung selbst in deren einfachsten und banalsten Aspekten und Grundlagen fehlen.

In diesem, repräsentativen Beispiel-Fall der „roten Frau“:  Man terrorisiert Menschen mit der vorgeblich-vermeintlich positiven „Helfer“-Intention, ihr „eheliches Glück“ „stiften“ zu wollen, indem man es solange verunmöglicht und verhindert, bis das Opfer sich dem Diktat dieser Fremdbestimmung und Vergewaltigung durch die satanische Ideologie gebeugt und unterworfen hat, nach außen hin aber lediglich das Alibi der „Glücksstiftung“ bestätigt, den Vollzugs-Schein nachgeliefert hat  -  also alles Bewußtsein von der verbrecherischen Vergewaltigung der eigenen Person zum Zweck der ideologisierenden Umpolung verloren, jeden Widerstand dagegen aufgegeben hat und das eigene physische Wohlergehen über das bessere Wissen und die geistige Integrität der eigenen Lebensrealität stellt.

Wie absurd und dement es ist, Menschen, die natürlicherweise, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und Gewichtung, in ihrer Lebensgestaltung unter anderem auch nach Paarbildung und Partnerschaft streben und an ihr orientiert sind, mit lebensvernichtender Ausschließlichkeit und existentieller Orientierungsbeschränkung zu Paarbildung und Partnerschaft zu  z w i n g e n ,  sollte eigentlich hanebüchen offenkundig und selbsterläuternd sein.  Insbesondere, wenn solche Partnerschaften sich ohne diese sach- und interessensfremden Gewalteinwirkungen auf natürliche Weise und „normal beiläufig“ längst von selbst hergestellt und vollzogen hätten.  Und doch wird diese offenkundig absurde Demenz  von keinem naiven „Glücks“deliriums-Gläubigen und Themenverblendeten der Mitläufer- und Marionettenherde dieser mit gesellschaftlicher Normalität vollzogenen Verbrechen jemals auch nur bemerkt, werden die wirklichen Vorgänge, Motive und Absichten der kriminellen Machenschaften hinterfragt. 

Es ist für alle Beteiligten und Zuschauer solcher Verbrechen doch zu schön und einfach somnambul bequem, den eigenen Lebens- und Geisteshorizont und die hanebüchensten Aktivitäten kriminellster Charakteristik auf schlichtes, spatzenhirnhorizontbegrenztes Pärchenglück und dessen Stiftung zu reduzieren, und damit aller geistigen Anstrengungen nach intelligenteren und kritischeren Würdigungen des Geschehens entledigt zu sein.  Denn wer würde schon hinter solch „plausiblen“ und „lauteren“ Absichten, mit arglos-heuchelnden Artiggesichtern vorgetragen, die barbarisch-kranken Geisteskonzepte, die kaschierte Demenz von Satanismus-Weltherrschafts-Ideologen vermuten, die nur zu gut wissen, daß selbst ihre unbedarftesten Handlanger und Marionetten widerspenstig und abtrünnig würden, hätten die auch nur den geringsten Einblick in die tatsächliche Qualität und Gesinnung der sie manipulierenden und handelnden adeptischen Vertrauenspersonen.

Die intakte Oberflächenfassade der bürgerlichen Gesellschaft mit ihren „positiven Werten“ ist der beste Schutz und das unfehlbar funktionierende Alibi aller üblen okkulten Machenschaften, und wird deshalb um jeden Preis aufrecht erhalten, darf niemals löchrig und „fadenscheinig“ werden.  Und der banalste Grundwert dieser „positiven Werte“, und zugleich aufs engste den Geisteshorizont begrenzend, ist nun mal Liebe und Partnerschaft, die als grundlegend und selbstverständlich von niemandem hinterfragt werden  -  und damit auch niemand, der in ihrem Namen antritt, ganz gleich, mit welchen offenkundigen Verbrechen und Greueltaten menschen- und lebensvernichtender Qualität er diesem „selbstverständlichen“ Grundwert auch „zu dienen“ vorgibt.

Und so läßt man vor dem Bühnenbild der „ganz normalen, intakten Realität“ im schwarzmagisch getränkten und durchdrungenen Gesellschaftsdschungel bei Bedarf  und als Beitrag zum allgegenwärtig gemachten Terror gegen das jeweilige Opfer die Marionetten und Handlanger weiblichen Geschlechts in knallroten Klamotten auftreten und sich produzieren, als gezielten Einsatz im für die Zielperson präzise ausgewählten und geplanten Kontext, der für alle anderen, sonstigen Beobachter und zufälligen Zeugen in jeder Hinsicht bedeutungslos und „banal“ ist und bleibt, da es ja nicht ihr Aufmerksamkeits- und Verständnis-Kontext ist (Kontext ist nun mal, wie semiotisch postuliert und nur dem ungebildeten Normalschwätzer und –kommunikatoren unbekannt, die zentrale Definitionsaspektierung, der wesentliche Bestimmungsfaktor jedes Kommunikationsprozesses, und nicht etwa nur „zusätzliche“ oder gar beliebige Qualität).  Die dafür eingesetzten, willigen Flachhirn-Rotkäppchen (selbst die ersten, weil sich „besser wissend“ wähnenden Opfer der Verblendung und Verblödung) aber läßt man sich dann, in der vermeintlichen Sicherheit des eigenen Verblendungskonstrukts und in blindem Vertrauen auf den als liebe Großmutter verschleierten und agierenden Wolf, noch selbst mit der Ignoranz ihres unbedarften Mittuns brüsten, die eigene mißbrauchte Hirn- und Geistlosigkeit, die sie nicht ansatzweise begreifen und durchschauen, mit kuhäugig leerem Blick marginalisieren: „Rot“ sei doch nur „eine Signalfarbe“ oder so (Ach was ? Sag bloß?).

Nur: Signal wozu ? Wofür ?  Das Nichtssagende nach der Aussage, das Banale nach dem Wesentlichen zu hinterfragen, dafür reicht das unbedarfte Handlanger-Spatzenhirn auf und hinter den Bildschirmen des Lebens nie.

Für den durch das Innere-Ebenen-Suggestionssedativum beschnittenen Verständnishorizont, für den alles nur ganz „harmlos“, „normal“, „einfach“ und „positiv“, also vordergründig-vertraut-nichtssagend und leer wie das eigene Hirn generell ist und erscheinen soll, ist das Autoreferentielle die bequeme Selbstberuhigung, die von jeder Verantwortung und Sachanalyse befreit.  Das erste und wichtigste Verblendungsopfer ist schließlich der willige Handlanger, dessen man sich bedient, und der darum am wenigsten begreifen darf von dem, woran er sich und man ihn als Mittäter beteiligt und als solchen weiterhin verfügbar halten will.

Und so hampeln, gestikulieren und kostümieren sie (sich) weiterhin über die Bildschirme und durch die Medien und Straßen des Lebens, auftragsgemäß und unverständig dummschwätzend und anspielungsfurzend einer ungeheuerlichen, alltäglich-allgegenwärtigen Realität hinter ihren Geisteshorizonten und gesellschaftlichen Realitätskulissen den vordergründigen, „ganz normalen“, „positiven“ und „intakten“ Schein überzuziehen und aufrecht zu erhalten, während sie gerade den konterkarieren und ad absurdum führen, wie Christo mit seinen Verpackungs-Exponaten.  Nur daß sie selbst, ohne einen Schimmer davon zu haben, also ihr Leben, ihre Persönlichkeiten und ach so „harmlosen“ Alltagshandlungen selbst nichts als das Verpackungsmaterial des Horrors sind und (dar-) stellen  -  und nicht etwa die „Realität“, für die sie sich halten und an der sie sich, wechselseitig, von „Hülse zu Hülle“ sozusagen, orientieren zu können meinen;  und für die „Verpacker“ des Grauens auf den „inneren" Parallelebenen, entgegen deren zynischer und menschenverachtend geheuchelter Intentionsdarstellung als „Diener“ und "Freund“, auch nie etwas anderes als Schutzkulisse und Verpackungsmaterial waren und sind.

Bis zum finalen Tag ihrer vorbestimmten Unbrauchbarkeit und dem Schicksal aller solcher, auch Bio- Materialien  -  ihrer Entsorgung im Abgrund, als Müll, im namen- und profillosen Strom vergänglicher Erscheinungen, die nie gewesen sind.

 

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Der „Wald“ des irdischen Gesellschaftslebens ist längst zum barbarischen Urzeitdschungel geworden, mit der Tendenz radikalster Selbstauslöschung.

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Oder machen Sie gleich selbst einen besinnlichen Spaziergang im Wald, den es in Deutschland, im Unterschied zu anderen Ländern, immer noch in beachtlichem Umfang gibt.

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