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日志


E-CLIP 11

 
 

"RICHTUNGSWAHL 2008"

- oder:

Willkommen in den hessischen Everglades! 

 

Kaum hatten die Wahllokale geschlossen, hatten alle gewonnen: Der Koch und die Ypsilanti, die Grünen und die Gelben und - ja, auch die: die ROTEN! Und das schon vorher abzusehende GUM (Größte Unumgängliche Mißgeschick) stellte sich dann auch tatsächlich ein, messerscharf und präzise wie in aller Beteiligten schlimmsten Albträumen: Patt der Lager, mit den Newcomern der gefürchteten Unberührbaren, den GUM-roten Linken, als Zünglein und Gewicht an der Waage. Diese Last hatten/haben nun alle am Hals, die in Hessen Politik spielen. Dabei hätten sie doch von Schröder/Merkel lernen können!

Erinnern wir uns: Vor der letzten Bundestagswahl tönte es aus allen Parteien, Fraktionen, Medienlautsprechern und dahintergeschalteten Mäulern aller Beteiligten: "Dies ist eine Richtungswahl!" Also: Rechts oder Links! Konservativ oder Sozial! Bürgerlich-rechts oder Bürgerlich-links!

Und was machte der neodebileral-korrumpierte Schröder mit dem Ergebnis dieser "Richtungswahl", die der SPD, den Grünen und den Linken eine komfortable 52%-Mehrheit gegenüber einer schwarz-gelben Minderheit von knapp 43% verschafft hatte ? Er blieb seiner Richtung treu, eigentlich zur anderen Seite zu gehören (war er doch schon in seinen ersten Regierungsjahren sogar von der CSU in sozialen Grundfragen links überholt und desavouiert worden), trat lieber ab als den unbrauchbaren, ungewollten Wählerwillen an - und seine Partei opferte ihr "Richtungswahl"-Gesicht von gestern der bequemen Fort-Sitzung ihrer richtungslosen Gesäße auf gutbezahlten Amtssitzen von heute und morgen! 

Von morgen auch? Weil Wähler ja so vergeßlich sind, und schon heute nicht mehr wissen, wie man sie gestern noch belogen, ihre Absichten verhöhnt, sie administrativ entmündigt und um ihren deklarierten Wählerwillen betrogen hat, traten nun bei der Hessenwahl die Parteien erneut, und ebenso vollmundig tönend,  zur  - nein, nicht "Richtungswahl", da waren die Gedächtnisnarben der Wähler vielleicht noch zu frisch und empfindlich -  zur (na bitte, geht doch) "Lagerwahl" an! Also: Links oder Rechts! Sozial oder Konservativ! Bürgerlich-links oder Bürgerlich-rechts! "Lagerwahl" also, diesmal, klingt doch (auch so) toll!

Und nun das: hat der Wähler doch tatsächlich auch in Hessen - schon wieder! - ein klares Lager gewählt, sich klar für eine Richtung entschieden, nämlich mit 60 Sitzen die SPD, den Grünen und den Linken, also "Links" ("Sozial", "Bürgerlich-links") als Richtung und Lager mit der Regierungsbildung beauftragt, und "Rechts" mit 56 Sitzen auf die Plätze verwiesen! Und was macht die Politik ? Schon am Wahlabend lädt Ypsilanti die Gelben ein, darüber nachzudenken, ob man nicht eine Ampel hinbekäme - mit den Roten, dieser "Linken" wäre ein gemeinsames Lager ja ausgeschlossen! Hat sie zwar so an diesem Abend nicht mehr explizit wiederholt (nur Beck aus dem fernen Berlin tönte es herüber), aber es wurde ihr weiterhin unterstellt, obwohl die Wahl und damit der Kampf ja nun schon einige Stunden vorüber und damit das Geschwätz der Kämpfer nur noch Schnee von gestern zu sein hatte. 

Auch ich kann mit "Linken", die einen unerträglichen Gestasi-Spitzel und Denunzianten wie Dieter "Larryn" Dehm, der für mich schon 1966 ein guter Grund war, als Gymnasiast frühreif in Studentenkreisen zu verkehren und um Dehms Schüler-SDS einen weiten Bogen zu machen (ohne freilich von seinem Hintergrund zu wissen - Dehm "stank" nur schon damals so eigenartig für mich), heute doch tatsächlich im Bundestag auftreten und für sich reden lassen, statt ihn für immer ins hinterste Parteiglied zu verbannen, nichts, aber auch garnichts anfangen  -  aber Wahl ist Wahl, und "Lagerwahl" ist "Richtungswahl" und hat von den Politikern, den durch Wahl bestellten Angestellten der Wähler, als deren Wille befolgt und in die Praxis umgesetzt  zu werden. Aber mitnichten - wie schon am "Richtungs"-Wahlabend war auch an diesem "Lager"-Wahlabend der Begriff aus dem Wortschatz und Gedächtnis aller Beteiligten getilgt, der "Lager"-Wahlauftrag für alle Beteiligten "nicht existent"!

Dieser Verhalt der Sachen und der Dinge hätte am Wahlsonntagabend dringend denkfähiger Kommentatoren bedurft, ihn endlich einmal als das zu brandmarken, was er ist: Ein fortgesetzter politischer Skandal auf  Kosten wesentlicher demokratischer Prinzipien und Grundverständnisse, die eine freiheitliche Gesellschaft konstituieren und erhalten sollen, darunter auch die von einer verblödet-willfährigen und unfromm lahmen Öffentlichkeit offenbar nur noch als Grauzone eines banalen Witzthemas betrachtete Verlässlichkeit von Wahlaussagen. Aber wie schon bei Schröders Merkel-Richtungswahl, so auch jetzt bei deren hessischer landespolitischer Blaupause: Auf beiden Augen (ARD wie ZDF) blind und unter'm Pony quotenblöd schien wieder mal kein Journalist und Kommentator etwas für kritik- und empörungswürdig zu halten an diesem Skandal-Lagerwahlausgang der gewohnt-gewöhnlichen Sorte. GEZahlt wird schließlich für Programm, und nicht für Können oder Kompetenz!

Dafür mal wieder einer, der sich nach Bekanntgabe des vorläufigen amtlichen Endergebnisses beim Konzert der medienadrett-durchlaufenden Leerhülsendrescher im Bemühen um Verstand und Verständnis des Wahlverlaufs und -ergebnisses wie gewohnt ganz im Kognitionssumpf verirrte und darin versank, als sei er barfuß in die Everglades geraten: ZDF-Oberleuchte Claus Kleber. Denn woran erinnerte den immer danebenen Nicht-Santa und Fast-SPIEGEL-Chefredakteur diese Hessen-Lager- und Richtungswahl-Doublette der letzten Bundestagswahl? "An das Wahlergebnis in Florida", ganz klar, wo ja "auch nur ein paar Tausend Stimmen Mehrheit den Ausschlag gaben"!  Vielfältige Parteien-Proporzwahl in Hessen und alternative Personenentscheidung zur Präsidentschaft in Florida: Wahltagsparallelen der Extraklasse!

Deshalb, an dieser Stelle und vertretend für das ganze öffentlich-deutsche Bewußtseinselend,  allen Wählern und Nicht-Wählern, Hessen und Nicht-Hessen, Beteiligten und Unbeteiligten, Zu- und Wegschauern: Welkam tu se Meenzer Tiwi-Klabb!

Florida begrüßt euch in "Kleber's poliddical wöeld":

On his dark side of America - the moon!

 

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Lesen Sie die vollständige Dokumentation des EICHLER-BLOG seit Beginn am 8.Okt.2007 unter:

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E-NET 1

 


KONSUMIEREN
BIS ZUM UNTERGANG


Am 2. Januar 2008, zum Jahresanfang, erhielt ich von Jared Diamond eine Email mit seinem Text  "What's your Consumption Factor?".  Obwohl auch er sich immer noch in den allzu engen Laufstall-Gittern des vorgestrigen, seelen- und visionslosen akademischen Positivismus bewegt, der die anachronistischen Stutzerhirne an den Universitäten dieser Welt  geistlos kastriert und in postmoderner, belanglos-autistischer Datensammlung und -sortierung  beschäftigt hält,  und ich auch seinen  "vorsichtigen Optimismus", insbesondere in Anbetracht des militanten politökonomischen Geldmacht-Ideologie-Wahnsinns einer mittlerweile  globalen Alltagswirklichkeit,  in keiner Weise teile, verdient es der Text mit seiner grundsätzlich richtigen Betrachtung, auch und gerade im somnambul-neoliberal-verblödeten Innenwelt- und Konsumdeppen-Deutschland bekannt und verbreitet zu werden. Doch klar sehen und klug reden - dies wird auch angesichts der Inhalte des Textes zwingend deutlich - genügen längst nicht mehr, auch wenn's noch so gutund sinnvoll gemeint ist, lieber Jared!  Es muß etwas  g e s c h e h e n !  "Mal drüber geredet" und "es auch mal gesagt" haben schon viel zuviele Alibischwätzer und Gutmensch-Zeitgenossen, insbesondere der deutschen Bügelhalter- und "kritischen" Ist-Zustands-Medienspatzen ohne Hirn und Horizont, schon viel zu oft  und zu allen Themen, sie tun es weiterhin täglich in allen Programmen und auf allen Kanälen  -  und kommen sich, an den gepuderten  Gesichtern der "souveränen Männer"-Würstchen und "starken Frauen"-Pißnelken mit bildschirmflachen Hilfsschulmedien-Horizonten täglich ablesbar, auch noch intakt und integer, also richtig und selbst  "in Ordnung" dabei vor!  Nur  g e t a n  wird weiterhin nichts  -  und so "konsumt und wachstumt" sich eine innenweltverblödete, somnambule "Ich bin Okay, Du bist Okay"-Bürger- und Publizisten-Spezies "kosmischer Führung und Fügung" in den katastrophalen Untergang der eigenen, selbst erschaffenen und selbst erhaltenen kläglich-erbärmlich-debil-kleinkarierten Wellness- und Lebenswirklichkeit!

Hier meine ungekürzte Übersetzung des Textes:




 

WIE HOCH IST IHR KONSUMFAKTOR ?


Für Mathematiker ist die Zahl 32 eine interessante Zahl: Es ist die 2 in fünfter Potenz, 2 mal 2 mal 2 mal 2 mal 2. Für Ökonomen ist die Zahl 32 noch spezieller, denn sie mißt die Differenz im Lebensstil zwischen der ersten Welt und den Entwicklungsländern. Die durchschnittliche Rate, in der Menschen Ressourcen verbrauchen, wie Öl und Metalle, und Müll produzieren, wie Plastik und Treibhausgase, ist in Nord-Amerika, West-Europa, Japan und Australien etwa 32 mal höher als in der dritten Welt. Dieser Faktor 32 hat große Konsequenzen.

Um sie zu verstehen, denken Sie an unser Verhältnis zur Weltbevölkerung. Es gibt heute mehr als 6,5 Milliarden Menschen, und die Zahl könnte noch innerhalb dieses ersten halben Jahrhunderts auf 9 Milliarden steigen. Vor einigen Jahrzehnten hielten viele Menschen die wachsende Bevölkerung für die größte Herausforderung der Menschheit. Jetzt begreifen wir, daß dies nur insofern stimmt, als die Menschen konsumieren und produzieren.

Wenn die meisten der 6,5 Milliarden Menschen in einem Kühlhaus wären und weder stoffwechseln noch konsumieren würden, würden sie keine Ressorucenprobleme produzieren. Was wirklich zählt, ist der totale Welt-Verbrauch, die Summe allen lokalen Konsums, die das Produkt aus lokaler Bevölkerung mal die lokale Referenz-Konsumrate ist.

Die geschätzten 1 Milliarde Menschen, die in entwickelten Ländern leben, haben eine relative Referenz-Konsumrate von 32. Die meisten der anderen 5,5 Milliarden Menschen stellen die Entwicklungsländer dar, mit relativen Referenz-Konsumraten von unter 32, die meisten gegen 1 tendierend.

Die Bevölkerung wächst besonders in den Entwicklungsländern, und manche Leute bleiben darauf fixiert. Sie stellen fest, daß die Bevölkerung von Ländern wie Kenia rapide wächst, und sie sagen, das sei ein großes Problem. Ja, es ist ein Problem für Kenias 30 Millionen Menschen, aber es ist keine Last für die ganze Welt, denn Kenianer verbrauchen so wenig. (Ihre relative Referenz-Konsumrate ist 1.) Ein wirkliches Problem für die Welt ist, daß jeder von uns 300 Millionen Amerikanern so viel konsumiert wie 32 Kenianer. Mit der zehnfachen Bevölkerung verbraucht Amerika die 320fachen Ressourcen, die Kenia verbraucht.

Die Menschen in der dritten Welt sind sich dieses Unterschieds im Referenzkonsum bewußt, obwohl sie ihn nicht mit einem Faktor von 32 spezifizieren könnten. Wenn sie glauben, ihre Chancen aufzuholen wären hoffnungslos, werden sie manchmal frustriert und wütend, und einige werden zu Terroristen, oder sie tolerieren und unterstützen Terroristen. Seit dem 11. September 2001 ist klar geworden, daß die Ozeane, die einst die USA geschützt haben, dies nicht länger tun. Es wird mehr Terrorangriffe gegen uns und Europa geben, und vielleicht gegen Japan und Australien, solange der faktische Unterschied von 32 in unseren Konsumraten existiert.

Menschen, die wenig konsumieren, möchten den Hochkonsum-Lifestyle genießen. Regierungen der Entwicklungsländer machen eine Erhöhung des Lebensstandards zu einem primären Ziel ihrer Politik. Und Zig-Millionen Menschen aus den Entwicklungsländern suchen den Erste-Welt-Lebensstil auf eigene Faust, indem sie emigrieren, insbesondere in die USA und West-Europa, nach Japan und Australien. Jeder solche Transfer einer Person in ein Hochkonsumland steigert die Welt-Konsumrate, auch wenn die meisten Immigranten ihren Konsum nicht sofort mit 32 multiplizieren können.

Unter den Entwicklungsländern, die ihre Referenz-Konsumrate zuhause zu erhöhen suchen, hebt sich vor allem China hervor. Es hat die am schnellsten wachsende Wirtschaft, und es gibt 1,3 Milliarden Chinesen, das Vierfache der US-Bevölkerung. Der Welt gehen bereits die Ressourcen aus, und dies wird umso schneller geschehen, wenn China das amerikanische Niveau der Konsumraten erreicht. Schon jetzt konkurriert China mit uns um Öl und Metalle auf den Weltmärkten.

Die Referenz-Konsumraten in China sind immer noch 11 mal niedriger als unsere, aber nehmen wir an, sie steigen auf unser Niveau. Um die Dinge einfach zu halten, stellen wir uns vor, daß nichts sonst sich ereignet, um den Welt-Verbrauch zu steigern  -  also daß kein anderes Land seinen Konsum erhöht, alle nationalen Bevölkerungszahlen gleich bleiben, und Immigration endet. Allein Chinas Gleichziehen würde die Welt-Konsumrate ungefähr verdoppeln. Der Ölverbrauch würde um 106 Prozent steigen, und der Weltverbrauch an Metallen um 94 Prozent.

Wenn neben China auch Indien gleichziehen würde, würde sich die Welt-Konsumrate verdreifachen. Wenn die ganze dritte Welt plötzlich gleichziehen würde,  würde sie sich verelffachen. Es wäre, als hätte sich die Weltbevölkerung auf 72 Milliarden aufgebläht (bei heutigen Konsumraten).

Einige Optimisten behaupten, wir könnten eine Weltbevölkerung von 9 Milliarden unterhalten. Aber ich habe noch keinen getroffen, der verrückt genug wäre, zu behaupten, daß wir 72 Milliarden unterhalten könnten. Und doch versprechen wir den Entwicklungsländern, daß, wenn sie nur eine gute Politik betreiben würden  -  z.B. mit ehrlichen Regierungen und einer freien Marktwirtschaft  -, auch sie einen Erste-Welt-Lebensstandard genießen könnten. Dieses Versprechen ist unmöglich, ein grausamer Witz: Wir haben bereits jetzt Probleme, den Erste-Welt-Lebenssstandard für nur 1 Milliarde Menschen aufrecht zu erhalten.

Wir Amerikaner mögen denken, Chinas wachsender Konsum sei ein Problem. Aber die Chinesen streben nur nach der Konsumrate, die wir bereits haben. Ihnen zu sagen, sie sollten es nicht versuchen, wäre sinnlos.

Den einzigen Ansatz, den China und andere Entwicklungsländer akzeptieren werden, ist das Ziel, die Konsumraten und Lebensstandards weltweit gleicher zu machen. Aber die Welt hat nicht genug Ressourcen, den Anstieg der chinesischen Konsumraten auf unser Niveau zu ermöglichen, ganz zu schweigen vom Rest der Welt. Heißt das, wir stehen vor einer Katastrophe ?

Nein, wir könnten ein stabiles Auskommen haben, indem sich alle Länder auf Konsumraten beträchtlich unter den gegenwärtigen Höchstständen einfinden. Amerikaner werden widersprechen: Keinesfalls würden wir unsere Lebensstandards zum Vorteil von Menschen in der restlichen Welt opfern. Nichtsdestotrotz, ob wir freiwillig dorthin kommen oder nicht, wir werden bald niedrigere Konsumraten haben, weil unsere gegenwärtigen Raten nicht aufrecht zu erhalten sind.

Wirkliche Opfer würden dabei jedenfalls nicht gefordert, weil Lebensstandards nicht eng mit den Konsumraten verknüpft sind. Viel amerikanischer Verbrauch ist verschwenderisch und trägt wenig oder nichts zur Lebensqualität bei. Zum Beispiel ist der Spitzen-Ölverbrauch in West-Europa ungefähr halb so hoch wie unserer, und doch sind west-europäische Lebensstandards in jeder relevanten Hinsicht höher, inklusive Lebenserwartung, Gesundheit, Kindersterblichkeit, Zugang zu medizinischer Versorgung, finanzielle Sicherheit im Ruhestand, Urlaubszeit, Qualität öffentlicher Schulen und Kulturförderung. Fragen Sie sich selbst, ob Amerikas verschwenderischer Benzinverbrauch irgendetwas Positives zu all diesen Qualitäten beiträgt.

Andere Aspekte unseres Verbrauchs sind ebenso verschwenderisch. Die meisten Fischereien der Welt arbeiten nicht nachhaltig, und viele sind bereits zusammengebrochen oder auf niedrige Quoten zurückgefallen  -  obwohl wir wissen, wie sie zu managen wären, in einer Weise, daß die Umwelt und der Fischbestand erhalten blieben. Wenn wir alle Fischereien nachhaltig betreiben würden, könnten wir den Meeren Fische in maximalen historischen Mengen entnehmen, und damit endlos fortfahren.

Dasselbe gilt für die Wälder: Wir wissen bereits, wie man sie nachhaltig bewirtschaftet, und wenn wir das weltweit täten, könnten wir genügend Holz entnehmen, um den Weltbedarf an Holz und Papier zu decken. Doch die meisten Wälder werden nicht nachhaltig bewirtschaftet, mit abnehmenden Quoten.

Genauso sicher wie es ist, daß wir noch innerhalb der Lebenszeit der meisten von uns weniger verbrauchen werden als jetzt, genauso sicher ist, daß die Referenz-Konsumraten in vielen Entwicklungsländern eines Tages näher an unseren sein werden. Das sind wünschenswerte Trends, und keine Horrorszenarien. In der Tat, wir wissen bereits, wie wir diese Trends fördern können; das größte Defizit ist der politische Wille.

Zum Glück gab es im vergangenen Jahr ermutigende Zeichen. Australien hatte eine Wahl, in der die große Mehrheit der Wähler die Vogel-Strauß-Politik revidierte, der ihre Regierung ein ganzes Jahrzehnt lang gefolgt war; die neue Regierung unterzeichnete unverzüglich das Kyoto-Protokoll zur Beschränkung des Treibhausgas-Ausstoßes.

Ebenso hat im vergangenen Jahr die Besorgnis über den Klimawandel in den USA erheblich zugenommen. Sogar in China finden hartnäckige Streitgespräche über Umweltpolitik statt, und öffentlicher Protest hat kürzlich den Bau einer chemischen Fabrik nahe dem Zentrum von Xiamen gestoppt. Daher bin ich vorsichtig optimistisch. Die Welt hat ernste Verbrauchsprobleme, aber wir können sie lösen, wenn wir uns dazu entschließen.

 

Jared Diamond

(Professor für Geographie an der

University of California, L.A., USA)

 

 

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PostScript 9



M – A – C – H – T





MEINE TEKEL. Die Kehrseite aller Macht ist Verantwortung. Wer die Münze nur einseitig nutzt und gebraucht, also buchstäblich verantwortungslos ist, ist früher oder später tatsächlich alle Verantwortung los  -  nämlich alle Macht. Macht, die sich um ihrer selbst willen und ohne Verantwortung erhalten will, mündet zwangsläufig in Gewalt  -  dem Gegenteil jeder Macht. Gewalt ist Schwäche, nicht Stärke  -  das Mittel der Ohnmächtigen, sich gegen wahre Macht durch- und über ihre Gesetze hinwegzusetzen.

Macht, wie sie von den spirituellen Meistern der wirklichen kosmischen Hierarchie definiert und Dion Fortune* diktiert wurde, resultiert aus „Strength, Foresight, and Wisdom“, also Stärke, Voraussicht und Weisheit. Alle drei Faktoren zusammen ergeben die Macht, die auf Gewalt verzichten kann zur Erreichung ihrer Ziele. Und alle drei fehlen bei der Gewalt (es sei denn der einer Notwehr gegen Gewalt). Die Macht des Stärkeren ist nicht die des Gewalttätigen. Die Macht des Stärkeren ist die des Weisen, der weiß, dass die Zeit für ihn arbeitet, dass die Gezeiten alles Unrecht und jede Behinderung des Rechts hinwegfegen werden, und dass keine noch so unberechtigte, gewaltsame Anstrengung sich auf Dauer behaupten kann. Die Macht des Stärkeren ist die seiner Stärke, sein besseres Wissen so lange zu bewahren und zu behaupten. Die Macht des Stärkeren ist seine Voraussicht, die Wirkungen des Richtigen wie des Falschen klar zu sehen, und deshalb keine falschen Ursachen zu legen. Wenn der Weise handelt, handelt er stark, gemäß der Voraussicht, die ihm vorher schon zeigte, was sein Handeln für Folgen haben wird, und mit der Weisheit, klar zu sehen und zu erkennen, was er durch sein Handeln erreichen kann und was nicht. Wahre Macht wird nie ent-täuscht, weil sie nicht getäuscht wurde, schon gar nicht von sich selbst.

Das okkulte Herrschaftsimperium der adeptischen „kosmischen Hierarchie“ basiert auf nackter Gewalt, behauptet sich durch nackte Gewalt, herrscht mit nackter Gewalt. Recht, Vernunft, Einsicht, Weisheit, höhere Interessen und Orientierung, wahre, verantwortliche Macht, die auf der Stärke voraussichtiger Weisheit basiert, sofern sie überhaupt jemals anerkannt waren und berücksichtigt wurden, sind längst keine relevanten Größen, keine bedeutenden Faktoren mehr, die in irgendeiner Hinsicht Einfluß hätten  -  über die bloße Nützlichkeit ihrer Blendungs- und Beruhigungskraft auf nützliche Idioten, also ihre universell wirksame und beliebig einsetzbare Alibifunktion hinaus. Korrupt, verantwortungslos und egomanisch bis in die Knochen, hat sich das zeitgenössische Adeptentum aller ethischen Werte, die die Grundlagen jeder höheren Einweihung und Entwicklung zu sein hätten, entledigt und sie in ihr profanes Gegenteil verkehrt: Gut ist, was nützlich ist, und nützlich ist, was einem selbst nützt. Aus Selbstbewahrung wurde Selbstbedienung  -  und selbst der Dienst am Nächsten, der als entwicklungsfördernd für das eigene spirituelle Wachstum erkannt war, ist zum egomanischen Rabattmarkenkleben des „Verdienste-Erwerbens“ um des eigenen „Wachstums“ willen verkommen. So korrumpieren sich Prinzipien  -  so lassen sich potentiell korrupte, unreife Charaktere durch Deformation ethischer Werte korrumpieren.Und am Ende steht die bloße Erinnerung, der blanke Etikettenschwindel, der eine höhere Ethik nur noch verbalisiert  -  in ihrem Namen aber genau das Gegenteil betreibt. Und wer nicht durchblickt durch Etiketten, Fassaden, Begriffsverfälschungen, der fällt auf sie herein und ihnen zum Opfer: Mordet im Namen des Lebens, foltert im Namen der Entwicklung, zerstört im Namen des Wachstums, bereichert sich im Namen der Selbstlosigkeit  -  und haßt im Namen der Liebe.

Die Korruption des zeitgenössischen Adeptentums hat ihren Ursprung in den hirnrissigen Dogmen, die der Dämon Aiwass, Aleister Crowley’s alter ego, durch ihn als „Gesetze“ und Basis des „Neuen Zeitalters“ verkünden ließ: in seinem Schwachsinnswerk „Liber al vel legis“, das ein vollendet unintelligibles verbales Delirium darstellt, in das sechs oder sieben intelligente und intelligible Sätze eingestreut sind. An diesen immergleichen sechs oder sieben Sätzen wird von seinen Anhängern der Wert des Buches festgemacht, sie werden immer wieder präsentiert und zitiert  -  über den Rest schweigt man sich ausnahmslos gschamig aus, wahrscheinlich weil selbst ein Schwachkopf mit ihm nichts anfangen kann, und es bleibt so, seit es das Buch gibt, jedem überlassen, zu vermuten, ein anderer könne mit dem Rest vielleicht doch etwas anfangen, man selbst sei nur nicht in der Lage dazu.

Von diesen Sätzen am häufigsten zitiert wird das „oberste Gebot“ der okkulten Lehre des neuen Zeitalters, das aller Korruption jeder adeptischen Integrität und sauberen, gesunden spirituellen Orientierung zugrunde liegt: „Love ist he Law, Love under Will.“ Man muß es übersetzen, auch wenn das überflüssig erscheint: „Liebe ist das Gesetz, Liebe unter (der Herrschaft/Kontrolle/was auch immer) dem (des) Willen(s).

Nun muß man wissen, daß Crowley alles andere als ein Dummkopf war. Seine „Autohagiografie“ untertitelte Biografie (eine Kostprobe seines ironischen Humors schon im Titel), die einzig aufschlussreiche und lesenswerte, ist ein Meisterwerk anspruchsvoller Prosa, zumindest in der englischen Originalfassung, und ein Lesegenuß für jeden intelligenten und unvoreingenommenen Leser  -  und belehrt zudem über die tiefe Tragik, die Aleister C. zu dem werden ließ, was aus ihm (von eben diesem Dämon und gegen seinen erbitterten und verzweifelten, aber letztlich erfolglosen Widerstand) gemacht wurde. Crowley ist somit der einzige legitime Crowleyaner, und der einzige, der wirklich Verständnis und Nachsicht verdient  -  ganz im Gegensatz zu seinen Anhängern und Nachfolgern, die alle eine bessere Wahl hatten/haben/hätten.

Crowley war also intelligent genug, zu wissen, dass ein Lehrsatz, der das universelle Gesetz, den universellen ethischen Wert der „Liebe“, der sämtlichen ernstzunehmenden Religionen und Philosophien der Welt zugrunde liegt und als Quintessenz aus ihnen hervorgeht, negiert oder in Abrede stellt, sich von vornherein jeder Glaubwürdigkeit, jeder Wirkungschance, jeder Akzeptanzmöglichkeit beraubt und entledigt sähe, dass außer einer Handvoll Kranker nie jemand einen solchen Lehrsatz auch nur eines zweiten Gedankens oder Interesses würdigen würde. Der (im Osten buddhistischen, im Westen) christlichen Lehre eine erklärtermaßen „satanische“ Lehre gegenüberzustellen, die auch nur den Hauch einer Chance auf Verbreitung haben sollte, musste also diesen zentralen ethischen Wert vordergründig nicht leugnen  -  sondern benutzen, von innen her aushöhlen und in sich selbst ad absurdum führen. Auf dieser Grundlage und mit dieser Intention ist das okkulte Schlüsselgesetz „Love ist the Law, Love under Will“ eine rhetorische Glanzleistung  -  und seine Wirkung entsprechend groß. Eine Wirkung, die bis heute und in zunehmendem Maße verheerende Folgen für die Ethik der westlichen Esoterik hatte und hat, wie an der Korruption nahezu des gesamten westlichen Adeptentums der Gegenwart nur zu deutlich erkennbar und ablesbar ist  -  sei es, weil seine Vertreter nicht genug oder intelligent genug denken können, oder sei es, weil sie der Faszination eines „neuen“ Gesetzes, einer „neuen“ (Pseudo-) Weisheit so viel persönliche Annehmlichkeiten abzugewinnen wissen.

Die geniale Leistung dieses „neuen“ Gesetzes für ein „neues (schwarzmagisches) Zeitalter“ besteht darin, die Liebe als höchsten Wert und oberstes Prinzip abzuschaffen  -  also den zentralen Wert des Erzfeindes Christus  -, indem er scheinbar affirmativ bestätigt und lediglich „erweitert“ wird. Diese „Erweiterung“ aber annihiliert ihn als obersten Wert  -  weil sie ihn konditioniert. Das heißt, einer kausalen Bedingung unterwirft, einer Kontrolle und Einschränkung durch einen anderen Wert  -  und diesen anderen Wert damit de facto zum höchsten erhebt. Und dieser andere Wert heißt Wille  -  und nicht mehr Liebe. Das „Gesetz“ hätte also genauso gut lauten können, und lautet, um seine betrügerische Rhetorik bereinigt: „Nicht Liebe, sondern Wille ist das Gesetz.“, oder kurz: „Wille ist das Gesetz.“  Und nichts anderes. Die Liebe ist nur noch das alibi- und verblendungsspendende Beiwort, das der Irrlehre die Gefolgschaft sichern soll, ohne selbst für das „Gesetz“ die geringste Bedeutung zu haben. Das Gesetz könnte ebenso gut lauten: „Bonbonlutschen ist das Gesetz, Bonbonlutschen…“, oder: „Beischlaf ist das Gesetz, Beischlaf…“, oder auch: „Alkohol ist das Gesetz, Alkohol unter (der Herrschaft) dem(des) Willen(s).“ Das „neue“ Gesetz, der höchste ethische Wert lautet „Wille“  -  und nicht mehr „Liebe“.

Mit diesem neuen Gesetz lässt es sich nun viel leichter leben und umgehen als mit dem „alten“, der unkonditionierten Liebe. Liebe, schön und gut  -  aber nur dann, wenn ich will. Für den Willen braucht es (im Unterschied zur unkonditionierten Liebe, die ihre Motivation in sich selbst trägt und darum als ethischer Wert so hoch bewertet und  angesiedelt ist) schon eine externe Motivation, die im Willen ad hoc nicht angelegt ist. Und schon sind wir bei der stärksten, umfassendsten und zeitlosesten Motivation angelangt, die der Mensch kennt, die seine gesamte Entwicklungsgeschichte im Positiven wie im Negativen begleitet und geprägt hat und die durch das Gesetz der unkonditionierten Liebe gerade transzendiert werden sollte: nämlich dem Egoismus. Wenn Wille das Gesetz ist, ist Egoismus als oberstes Handlungsprinzip und höchster Orientierungswert programmiert, dem Altruismus als Orientierungsbasis gekündigt. Mit allen zu besichtigenden Folgen für die Ethik der westlichen Esoterik.

Wenn Wille das Gesetz ist, ist Macht seine Exekutive, und Gewalt seine Ethik. Macht ohne Ethik, an der sie sich orientiert und vor der sie sich verantworten muß  -  und die stattdessen als Handlungsprinzip, im Gefolge eines ethisch undefinierten, als „Satz“ gesetzten Willens fungiert und funktioniert  -  definiert sich als bloße Willkür und äußert sich nicht anders als Willkür. Und damit ist der, jeder Gesetzlosigkeit, der Anarchie im schlechtesten Sinn, dem Faustrecht, jeder Gewalt freie Bahn gegeben  -  der Wille jedes einzelnen regiert sein Handeln, ein sozialer Konsens ist abgeschafft, der Starke besiegt den Schwächeren und zwingt ihm seinen Willen auf, und die Wahl der Mittel ist frei: diktiert allein vom Willen dessen, der sich durchzusetzen sucht.

Genau das ist die Anarchie, die die heutige Esoterik und ihr Adeptentum im Kielwasser Crowleys beherrscht  -  die als „Macht“ missverstandene hemmungs- und orientierungslose Gewalt, der okkulte Sozialdarwinismus, der die Ethik der Liebe, der unkonditionierten überpersönlichen Teilhabe und –nahme am Nächsten und Anderen annihiliert, der den Menschen seiner ganzheitlichen Spiritualität, die alle funktionalen und konkreten Aspekte seiner Persönlichkeit einem höheren ethischen Ideal unterordnet und an ihm orientiert, entfremdet und ihn zum mechanischen Gewalt- („Willens“-) Spezialisten im technisch-modernen Neandertal macht. Und im Gefolge dieser gesetzlosen „neuen Gesetzlichkeit“ sind deshalb folgerichtig, bei Crowley in seinen weiteren „Gesetzen“ und in der heute überall erlebbaren Praxis, auch „Mord“ sowie alle weiteren Verbrechen nicht nur möglich, sondern ausdrücklich legitimiert. Wo der „Wille“ über die „Liebe“ regiert, ist diese eine bloße Option unter vielen anderen, deren man sich immer seltener erinnert, bis sie schließlich nur noch taktisch (also charakterfremd), als Mittel und Technik eines ganz anderen Interesses, des „Willens“ nämlich, „zum Einsatz“, in ihrer selbstlosen Version als Liebe aber überhaupt nicht mehr vorkommt  -  de facto also eliminiert ist.

Herrschaft ohne Ethik, Macht ohne Verantwortung, also eine Technokratie der Gewalt ist aber zum Scheitern verurteilt, da sie die wesentlichen energetischen Grundsätze aller universellen Existenz missachtet  -  Grundsätze, die auf das Leben des Menschen bezogen nur ethisch formuliert werden können, da sie die (jede) Mechanik der Gewalt, wie die Evolutionslehre sie als Teilansicht der Wirklichkeit ausgewiesen hat, übersteigen und durch höhere Prinzipien steuern. Liebe als Erweiterung des Ich auf den Mit-Menschen, das Mit-Geschöpf, ist die Quintessenz dieser Ethik, die uns über die animalische Gewaltmechanik erhebt und zu kultivierten Geistwesen und geistigen Kulturwesen macht. „Wille“ ist die Ideologisierung der Gewalt der Natur und kehrt die Evolution zu einem Devolutionsprozeß um: Nicht mehr Materie wird dem Bewusstsein untergeordnet, sondern das Bewusstsein zum Instrument der Materie und ihrer Gesetze versklavt. Das Bewusstsein, das allein uns davon emanzipieren und darüber erheben kann und soll. Crowley predigt das Gesetz des Primaten, dessen Bewusstsein sich willentlich dem Tier, der vergänglichen Körperlichkeit und dessen transzendentem Prinzip, dem „Teufel“, zu unterwerfen und zu dienen hat. Er setzt dem göttlichen Willen den eigenen entgegen  -  dem objektiven und unbegrenzten, der in Alliebe sich manifestiert und das Individuum zu einer größeren und allein unsterblichen Identität transzendiert, einen/jeglichen subjektiven, begrenzten, auf die sterbliche Kreatur in ihrem temporären, unzulänglichen und vergänglichen Status bezogenen. Entsprechend barbarisch und willkürlich, egomanisch und verantwortungslos sieht die Praxis und Realität der heutigen adeptischen Szenerie auf der äußeren und mehr noch den inneren Ebenen der Wirklichkeit daher auch aus. Entsprechend irrelevant und unbrauchbar  -  MENE. Und, wie man noch sehen wird, nur allzu kurzlebig  -  TEKEL.

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* in ihrem Meisterwerk von 1924: "The Cosmic Doctrine" (Aquarian Press, GB)


(© 1996  by the author
Alle Rechte vorbehalten –
All rights reserved

* * * * *

„Das ganze Leben der Gesellschaften, in welchen die modernen Produktionsbedingungen herrschen, erscheint als eine ungeheure Sammlung von Spektakeln. Alles was unmittelbar erlebt wurde, ist in eine Vorstellung entwichen.
Die älteste gesellschaftliche Spezialisierung ist es, die Spezialisierung der Gewalt, die an der Wurzel des Spektakels liegt. Das Spektakel ist somit eine spezialisierte Tätigkeit, die für die Gesamtheit der anderen Tätigkeiten spricht. Es ist die diplomatische Repräsentation der hierarchischen Gesellschaft vor sich selbst, wo jedes Wort verbannt ist. Hier ist das Modernste auch das Archaischste.“


(Guy Debord
Die Gesellschaft des Spektakels (1967)
Hamburg 1978)

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E-CLIP 10

 

R E T T ET

P E T E R    K L O E P P E L !

 

 

Wer kennt ihn nicht, den artig-naiven Änkerboy und Klingelton-Moderator* von RTL mit dem etwas zu lang geratenen, immer etwas geistlos wirkenden Pferdegesicht, das uns im Lauf der Jahre so vertraut und sympathisch geworden ist ? Niemand! Und doch droht ihm jetzt vielleicht eine rabiate Kündigung durch seinen Sender, weil er im Verdacht steht, seit vielen Jahren heimlich bezahlte Schleichwerbung auf dem Bildschirm zu machen, wovon sein Arbeitgeber nichts weiß - ganz so wie seine Kollegin Andrea Kiewel, die erst kürzlich beim ZDF gefeuert wurde, weil sie ständig auf dem Bildschirm für Weightwatchers geworben, dem Sender aber verschwiegen hatte, daß sie dafür bezahlt wurde. Und nun Peter Kloeppel ?

Seit Jahren ist uns Peter Kloeppel für seinen ungelenk-unbequemen "Kloeppel-Stelz" bekannt - das in Ganzkörperaufnahmen sichtbare ausgestreckte Bein mit der aufgesetzten Hacke, den Fuß steil nach oben gerichtet (völlig unanatomisch und gesundheitsschädlich - die dabei entstehende Kniebänderdehnung dürfte nicht nur unangenehm für Peter sein, sondern ihn darüber hinaus irgendwann am Stock gehen lassen)! Und nun stellt sich heraus, daß dieser "Kloeppel-Stelz" das Erkennungssymbol, das "Körperlogo", die CG ("Corporate Gesture") der Dresdner Bank ist, und zwar der Unternehmenssparte des "Dresdner Private Bankings". In langjährigen Anzeigenkampagnen, ganzseitig-vierfarbig, steht die Werbefigur der Bank im "Kloeppel-Stelz" in den Anzeigen herum und zeigt einer anderen, wechselnden Person, wo's im Banking langgeht (z.B. in "art" Nr. 10/1999, S.11)! Und Peter Kloeppels Aufgabe war es wohl, auf dem RTL-Bildschirm, immer wenn er Gelegenheit dazu hatte, also bei Wetterberichten und anderen Sondereinsätzen, mit dem "Kloeppel-Stelz" an das Dresdner Private Banking und seine Werbung zu erinnern!

Die RTL-Geschäftsleitung, die ausgerechnet durch eine Mail von mir vor einigen Wochen von der Sache einen Windhauch bekommen zu haben scheint, will nun mit Sturm und Kündigung antworten - da half auch die beschämte Bildschirmabsenz von Peter während der ganzen letzten Woche nichts! Dabei hat's unser blauäugiges Peterchen doch bestimmt nicht böse gemeint!

Ich rufe deshalb alle RTL-Zuschauer und EICHLER-BLOG-Leser zu einer Rettungsaktion für Peter Kloeppel auf! Mailen Sie Ihren Protest gegen die Kündigung an die von solidarischen Kollegen extra eingerichtete "Hilfe-für-Peter"-Email-Adresse:

rtlhelp@rtl.de

und sagen Sie dem Sender, daß wir alle Peterchen alles verzeihen - wenn er's nur nicht wieder tut!

Es sei denn... -

Es sei denn, es stellt sich heraus, daß unser Peter gar nicht so naiv und kindisch ist, wie er sich gibt und wirkt! Denn nach seiner Rückkehr auf den Bildschirm am Montag, 14.1.2008, machte er plötzlich, ebenso demonstrativ und ebenso abwegig, eine andere verräterische Geste: Er formte mit seinen beiden Händen aus Daumen und Zeigefingern ein abwärts gerichtetes Dreieck und streckte es der Kamera entgegen, ohne daß es dafür einen Zusammenhang mit seinen Meldungen oder einen anderen erkennbaren Grund gegeben hätte. Und dieses Symbol zumindest, das abwärts gerichtete Dreieck, ist uns nun viel besser bekannt: handelt es sich doch um das schwarze, untere Dreieck des Hexagramms ("Judenstern"), das im Okkultismus für alles Böse, Negative, Satanische, alles Abwärtsstrebende steht, im Unterschied zum aufwärts gerichteten weißen Dreieck des Symbols, das für alles Reine, Gute, Geistige und Aufwärtsstrebende steht. Ist also Peter Kloeppel dem Okkultismus verfallen, strebt vielleicht eine Karriere als "nächster Uri Geller" an, gar zu einer Marionette seiner undurchschaubaren und undurchschauten "Innenwelt"-Puppenspieler geworden, die ihm wer weiß was Harmloses vorgaukeln und weismachen, um ihn zu seiner satanischen Körpersymbolik vor der Kamera zu bewegen ?!?

Dafür spräche, daß er den "Kloeppel-Stelz" eigentlich nicht selbst erfunden hat, sondern vor vielen Jahren vom Wetterkrampus des RTL, seinem urösterreichischen Kollegen Haekel abgeschaut und übernommen hat, der ihn als erster in die Bildschirmsichtbarkeit ein- und dort vorführte. Und der Krampus ist ja in Österreich bekanntlich - na, wer ? Richtig: der Gegenspieler des Christkinds - der Teufel! Ist Peter Kloeppel also, bedingt durch seinen schlechten Umgang bei RTL, auf die schiefe Höllenbahn in die schwarzmagische Tiefe geraten, nur noch die artige, aus naheliegenden Gründen immer demonstrativ gepflegte Kein-Wässerchen-trüben-können-Fassade aller Teufel als Alibi und Tarnung imagepflegend und schaustellernd ?

Oder hat dieses debil scheinende Gebärde und Gehampel vor doch gelegentlich Tausenden Zuschauern etwa nur eine ganz harmlose Erklärung - nämlich daß er seiner amerikanischen Änkerehewoman überdrüssig geworden ist und bereits heimlich, via Bildschirm, mit einer anderen turtelt und flirtet, nämlich seiner Kollegin Anne Will ? Allzu auffällig ist doch die Tatsache, daß Anne Will ebenfalls schon in den ARD-"Tagesthemen" (7.12.2006) mit beiden Händen demonstrativ vor der Kamera das Satansdreieck formte und damit vor einem Millionenpublikum herumfuchtelte, ohne daß es auch dafür einen Anlaß oder Bezug gegeben hätte! Sind die beiden also heimlich ein Paar, zögern aber noch, mit Rücksicht auf die horrenden Scheidungs- und Unterhaltskosten für Peter, die man von amerikanischen Gerichten ja kennt, mit dem finalen Coming-Out ?

Von ihrem Aussehen her jedenfalls (siehe oben: Peters Pferdegesicht, mit dem sich ihr ausgeprägt-gepflegtes Stutenantlitz hervorragend ergänzen würde, als kämen beide aus demselben Stall) wären sie das reinste Koppel- (oder Kloeppel-) Paar! Und RTL könnte endlich wieder eine andere seiner erfolgreichen TV-Show-Serien neu auflegen und mit zwei fernsehbekannten Gesichtern Auftakt und Eröffnung feiern: Die "TRAUMHOCHZEIT"! 

* * * * * 

* Schicken Sie einfach eine SMS mit NEWS3 an die 66555, und schon haben Sie Peter Kloeppel als Klingelton-Ansager auf dem Handy! Natürlich geht das, je nach Wunschtext, auch mit NEWS1 bis NEWS5! (Kosten erfragen Sie bitte bei Ihrem Provider!)

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Lesen Sie den vollständigen EICHLER-BLOG seit den ersten Einträgen Oktober 2007 unter:   http://docs.google.com/Doc?docid=dhjz6n4k_0dwqr6scs


E-CLIP 9

 
 
 
DES TEUFELS HARLEKIN
 
 
Uns bleibt nichts erspart - der Geller Uri ist wieder auf deutschen Bildschirmen! Pro7 mit seiner unsäglich hirnrissigen "Wissenwelt"-Show belebt den unterbelichteten Enkel des Teufels wieder, um mit einer eigenen DSDNSUG ("Deutschland Sucht Den Nächsten Super Uri Geller") - Serie den einst nicht ganz gelungenen Anschlag auf Denken und Orientierung der Deutschen zu wiederholen: "Sie werden Dinge sehen, die Sie nicht verstehen", ist das vollmundige Versprechen zur Recycling-Klamotte "THE NEXT URI GELLER - Unglaubliche Phänomene Live".
 
Der bedauernswerte Uri, der wohl in seiner letzten Inkarnation seine Seele dämonischen Kräften verkauft hat, um in diesem Leben ein besseres zu haben, wurde prompt, wie bestellt, in der Pubertät mit der erwünschten Fähigkeit ausgestattet, sinnlose magische Kunststückchen vorzuführen, und damit "all the famous and rich people" kennen zu lernen, von ihnen eingeladen, mit ihnen fotografiert und damit auch selbst ein bißchen wie einer von ihnen zu werden, so wie er es sich gewünscht und teuer erkauft hat. In seinem beschränkt-naiv-intensiven Unschuldsknabenstil betont er immer wieder, wie viele "rich and famous people" er getroffen habe, und alle hätten ihn gekannt, und alles wäre so wundervoll gewesen.
Alle und alles ? Bis auf die "Carson's Show" in Amerika. Carsons befreundete Eingeweihte hatten das Studio mit einem magischen Schutzkreis gegen negative Kräfte und dämonische Entitäten versehen, sodaß uns armes, kleines Uri ganz ohnmächtig im Studio saß und vergeblich sein Löffelchen onanierte  -   seine dämonischen Begleit-Erscheinungen und Helfer mußten buchstäblich "draußen bleiben", konnten nichts tun, und die Kirmes-Wunder-Nummer ging in die Hose. Uri fühlte sich ganz mies dabei!
 
Die halluzinative Sinnleere seiner lächerlichen "Kunst"stücke, die nichts zeigen, als daß die Gesetze der Physik mit Hilfe metaphysischer Kräfte problemlos aufgehoben und überschritten werden können, und das in nutzlosen, beschränkt eingleisigen Effekten an belanglosen Objekten, und seinen Harlekin-Status des bedeutungslosen Enkels der Unterwelt kaschiert er mit geheuchelter kindlicher Unschuld und Naivität, um ja nicht Aggressionsobjekt denkender (und vielleicht wissender) Zeitgenossen zu werden, die ihm die unsichtbaren kleinen Hörnchen entkaschieren könnten.
 
In allen Kulturen der Erde gilt schon das Zurschaustellen magischer Fähigkeiten als schwarzmagisch, und wird zum Beispiel im Hinduismus als "Fakirismus" verpönt. Selbst der zweithöchste der tibetischen Lamas, der bekannte (und inzwischen wiedergeborene) Lama Karmapa, galt in tibetischen Kreisen als schwarzmagisch, weil er mit seiner "Crown Ceremony" (er nahm seine Samtkrone vom Kopf, stellte sie in die Luft vor sich, ließ sie an allen Zuhörern vorüber durch den Raum schweben, dann zu sich zurückkehren, um sie wieder aufzusetzen) bis in die siebziger Jahre die westliche Welt bereiste, um mit dieser Vorführung die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu gewinnen.
 
Und nun taucht der Kindergarten-Enkel der absurden Kirmesknaben-Magie Uri wieder aus der Vergessenheit auf und will Zuschauer noch einmal mit in die Illusionswelt der Tarotkarte  "7 Kelche" mitnehmen. In neun Folgen, jeweils Dienstag, dürfen sich dann, so ist zu befürchten, harmlose Bewerber an der dämonisch geliehenen Fremdpotenz des altgewordenen kleinen Uri messen lassen - und einer von ihnen vielleicht sogar zu seinem "Nachfolger" küren lassen, mit welcher "beeindruckenden", "verblüffenden" Varieté-Leistung auch immer. Und wozu das alles, neben der billigen Strategie, teure Zuschauerquoten zum Sender zu halluzinieren ? Einen weiteren kleinen Beitrag zur Kulturzerstörung des Abendlandes zu leisten, zur Entchristlichung des Denkens, zur weiteren Zersetzung der kulturellen Wurzeln und Zerstörung des spirituellen Überbaus, zur Desorientierung und Verwirrung, von der allein das Dunkle, Schwarze leben und zehren kann.
 
Um selbst "harmlos" und akzeptabel in einer nicht mehr akzeptablen gesellschaftlichen Realität zu sein, muß Uri uns nur immer wieder mit naivem Gesichtsausdruck, unschuldig und berechnend wie Florian Silbereisen, versichern, es ginge ihm doch nur um "Show Biz", um "becoming rich" und "bing famous", damit, (Bo-eyh!) "all these rich and famous people know me, and invite me, and let themselves photograph with me", and "to become rich and famous myself"!
 
Wer könnte dem kleinen Enkel des Leibhaftigen da böse sein - und begreifen, was da mit ihm als Zuschauer gemacht, wofür er da so "nett und unschuldig" in Anspruch genommen wird!
 
Sie nicht, andere nicht, niemand ?
 
Ich schon!
 
 
 
 

SILVESTER 2008: AFTERMATH

 

BHAGDAD IN MAINHATTAN

 

War das eine Silvesternacht: Ganz Frankfurt hatte sich bis zum Hals mit Böllern, Rakaten, Sternschnuppen und Streulichtern eingedeckt, besetzte Brücken, Plätze, Parkzonen und Vorstadtbalkone, erwartete den Abend, die Nacht  -  und dann kam der Nebel. Dicht, immer dichter, bis auf 1 Meter Bodennähe, graue Schattierungen und marmorisierte Wände, Wolken eines alles verschluckenden diesigen Nichts in grau!

Dämlich der ausweglosen Zwangslage ergeben, versuchten die Frankfurter, blind dagegen anzuböllern, anzuraketen, sternzuschnuppen und zu streulichtern  -  vergeblich! Alles Geballere endete dumpf im Nebel, verschwand im wabernden Dunst, versickerte nach oben, als sei der Himmel eine trübe Brühe, in der man einen Stein versenkt. Farbige Blitze und Sternstreulichter verschluckte die schwadengesättigte Atmosphäre ebenso rasch, spur- und rückstandslos wie ein Stapel Löschpapier einen Wasserguß. Frankfurt hatte sein Omen für das kommende Jahr: Der innere, geistige Nebel seiner Bewohner, die sich nur projektionsblind durch Stadt und Leben bewegen, findet seinen äußeren Ausdruck, seine Entsprechung, seinen Spiegel im äußeren Kontext des objektiven Seinszustands. Man taumelt Irrlicht-trunken durch die Innenwelt eigener Projektionen und Halluzinationen, als Wahrnehmung im Außen gespiegelt, schießt vermeintlich gezielt Geböller und Raketen in die Seinsumgebung  -  die sich doch nur, blind verstreut, ins Nichts eines undurchschaubaren Nebels auflösen.

Das milchige Olivgrün der Nebelschwaden, das zuckende Verlöschen kaum aufgeblitzter Raketen als farbige Spritzer im dunklen, von unten kaum erleuchteten Grau eines konturlosen Himmels versetzte ganz Frankfurt für eine halbe Stunde in die Ästhetik des bombardierten Bhagdad zu Zeiten amerikanischer Luftangriffe - aber was der Mensch nicht wahrhaben will, kann er gut verdrängen, abspalten, sich und andere darüber hinwegtäuschen. Und so prosteten sich die Frankfurter zu, als sei draußen nichts gewesen, und beglückwünschten sich vorauseilend zu einem neuen Jahr, das doch noch keiner kannte, aber mit Sicherheit zumindest schon eingetreten und ein paar Minuten alt war. Alles andere wird man, nicht nur in Frankfurt, sehen - spätestens wenn aller Nebel sich wieder entdichtet hat, vom Dunstabzug nach oben, in die Atmosphäre zurückgeholt und vielleicht zum nächsten Regen versammelt.

 

Der Nebel in den Köpfen aber bleibt. Und findet nur im Leben, täglich, seine Verdichtung, seinen Niederschlag.